Entgegen anderer Verlautbarungen läuft das Geschäft mit der Krankenversicherung - Windhorst: PKV stöhnt auf hohem Niveau

„Die Private Krankenversicherung stöhnt auf einem hohen Niveau und ohne Grund. Ihr Ruf nach mehr Macht und Einfluss auf die Gestaltung ärztlicher Leistungen wird durch die aktuellen Wachstumszahlen konterkariert.“ So kommentiert der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe und Vorsitzende des Ausschusses Gebührenordnung der Bundesärztekammer, Dr. Theodor Windhorst, Zeitungsberichte, wonach der Verbandsvorsitzende der Privaten Krankenversicherung (PKV) ein Plus bei der Beitragsentwicklung vermelden kann. „Entgegen anders lautender und ständig wiederholter Meldungen scheint das Geschäft der privaten Krankenversicherer zu laufen.“

Die PKV hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr mehr Neuverträge abgeschlossen als im Vorjahr und erwartet hier durch die verkürzte Wartefrist für den Wechsel aus der gesetzlichen in die private Versicherung weiteren Zuwachs. Die Beitragseinnahmen der PKV sind demnach auf 33,3 Milliarden Euro gestiegen, ein Plus von 5,8 Prozent. Dem stehen Ausgaben in Höhe von nur 21,20 Milliarden Euro gegenüber, der Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr betrug 3,7 Prozent.

„Es ist schön, wenn es den Privaten Krankenversicherern gut geht“, sagt Windhorst. Vor dem Hintergrund dieser Zahlen müsse aber endlich Schluss sein mit den Negativprognosen der PKV. „Insbesondere das immer wiederkehrende Argument, für die privaten Versicherer müsse im Gegensatz zu dem von der Politik gesetzten ordnungspolitischen Rahmen gemäß § 11 der Bundesärzteordnung eine Gebührenordnung erstellt werden, um die Kostenentwicklung in der ambulanten Versorgung in den Griff zu bekommen, hat nun keine Basis mehr. Die Geschäfte florieren ja anscheinend.“

Die politische Einflussnahme des Verbandes der privaten Krankenversicherungen, ein von ihm dominiertes Vertragssystem zu entwickeln, ist nach Ansicht von Windhorst extrem gefährlich und erinnert an die Versorgung des budgetierten gesetzlichen Gebührenordnungssystems. Der PKV geht es nach Ansicht von Windhorst einzig und allein darum, Einfluss auf die ärztliche Versorgung zu nehmen. Die Ärzte dürften jedoch nicht abhängig werden von den Vorgaben der Versicherer.

„Es darf keine Eingriffe in die freie Arztwahl und die Therapiefreiheit der Ärzte geben.“ Entgegen des von dem PKV-Verband gewollten Systemwandels bestehe die Ärzteschaft auf ein faires, transparentes und nachvollziehbares Gebührenordnungssystem für ärztliche Leistungen. In diesem Zusammenhang begrüßt Windhorst nochmals die Entscheidung des Bundesgesundheitsministers, eine Öffnungsklausel bei der Novellierung der Gebührenordnung für Zahnärzte nicht zu berücksichtigen.