Einstimmige Resolution: Kammerversammlung sieht Qualitätsverlust bei Direktzugang zu Heilmittelerbringern - Warnung vor Eingriff in die Patientenversorgung und verdeckter Substitution ärztlicher Leistungen - Diagnose ist ur-ärztliche Aufgabe

Die Kammerversammlung der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) hat sich auf ihrer Sitzung am heutigen Samstag in Münster einstimmig gegen einen Direktzugang von Patienten zu Heilmittelerbringern wie Physiotherapeuten, Logopäden oder Masseuren ausgesprochen. Das höchste parlamentarische Gremium der Ärzteschaft in Westfalen-Lippe stellt sich damit gegen aktuelle Überlegungen der Unionsfraktionen im Deutschen Bundestag, die Heilmittelerbringer noch stärker in die alleinige Versorgungsverantwortung einbinden will.

Aus der Garantenstellung des Arztes ergebe sich dessen ausschließliche diagnostische Verantwortung für den Patienten. Nur ein Arzt könne und dürfe eine Diagnose stellen, so das Votum der Versammlung. Dies sei grundsätzlich eine ur-ärztliche Aufgabe. Sparmodelle dürften kein Vorwand für verdeckte Substitution ärztlicher Leistungen sein. Dazu ÄKWL-Präsident Dr. Theodor Windhorst: „Es kann und darf nicht sein, dass ärztliche Kompetenz durch Substitution zugunsten anderer Berufe und zu Lasten der Patienten aufgelöst wird.“ Die Unions-Pläne seien ein erneuter Eingriff in die Patientenversorgung, der zu einem Qualitätsverlust in der Versorgung führe. Auch das Unions-Ziel, Ausgaben im Gesundheitswesen zu reduzieren, wird nach Ansicht der ÄKWL-Kammerversammlung nicht erreicht. Vielmehr könne es zu einer unkontrollierten Zunahme der Versorgungsmenge kommen. „Das wird dann sicherlich nicht billiger.“ (Windhorst)

Die Kammerversammlung sprach sich für eine effiziente Kooperation aller Versorgungsebenen im Gesundheitswesen aus. Um dies zu erreichen, sollten zunächst Modellversuche durchgeführt und deren Evaluation abgewartet werden. Bei der Ausarbeitung der Modellversuche sollte zwingend die niedergelassene Ärzteschaft einbezogen werden. „Die bestehende Methodenvielfalt und unübersichtliche Forschungslandschaft muss vereinheitlicht werden, um leitliniengestützte Abläufe zu erreichen und die Versorgung für Arzt und Patient nachvollziehbar zu machen“, so Kammerpräsident Windhorst. Dabei sei wichtig, dass all solche Schritte unter einer klaren extra-budgetären Regelung und eigenen Budgetverantwortung geschehen müssten.

Die Kammerversammlung in Westfalen-Lippe befasste sich mit dem Thema vor dem Hintergrund eines vor kurzem bekannt gewordenen Arbeitspapiers der Arbeitsgruppe Gesundheit der CDU/CSU in Berlin. Durch die Diagnose-, Therapie- und Ergebnisverantwortung der qualifizierten Therapeuten werde der diagnoseabhängige Therapieverlauf eines Patienten so gesteuert, dass Mehrfachuntersuchungen durch den Arzt entfallen, die Kosten für eine begleitende Arzneimitteltherapie reduziert, eine stationäre Aufnahme vermieden und die Anzahl der Krankheitstage verringert werden, heißt es in dem von der Versammlung kritisierten Unions-Papier.