Durch Kooperationsverbund dem Ärztemangel entgegenwirken - Bochumer Medizinstudenten sollen in OWL ausgebildet werden - Windhorst: "In der Region, für die Region"

Um die medizinische Versorgung der Patienten in Ostwestfalen-Lippe (OWL) mittel- und langfristig zu sichern und dafür zusätzliche medizinische Ausbildungskapazitäten zu schaffen, wünscht sich der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, einen Kooperationsverbund bestehend aus der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum, der Universität Bielefeld und ausgewählten Kliniken und Arztpraxen in OWL. „Wir müssen dringend dem regional besonders gravierenden Ärztemangel begegnen“, fordert Windhorst. „Eine solche strukturierte Kooperation kann nicht nur die wohnortnahe und flächendeckende Versorgung verbessern, sondern ist auch ein starkes Signal für die Gesundheitswirtschaft und die Gesundheitsindustrie in OWL.“ Der Ärztemangel sei längst Fakt.

Zahlreiche Studien belegten, dass endlich etwas getan werden müsse. Auch die Politik habe besonders diesen regionalen Ärztemangel endlich anerkannt. Das Alter der Ärzte ist hier im Landesvergleich überdurchschnittlich hoch. In den nächsten 15 Jahren werden bis zu 3.500 Ärztinnen und Ärzte altersbedingt aus der kurativen Patientenversorgung ausscheiden. Dies betrifft fast ein Drittel der Klinikärzte und fast zwei Drittel der niedergelassenen Ärzte. Allein in den Krankenhäusern werden bis zum Jahr 2019 etwa 780 Ärztinnen und Ärzte zusätzlich benötigt. Demgegenüber streben laut Windhorst aufgrund der Abschaffung der Wehrpflicht sowie der G8-Abiturjahrgänge absehbar viel mehr Schulabgänger in ein Medizinstudium als sonst. „Diesen Überlauf müssen wir strukturiert auffangen“, so der Kammerpräsident, „auch OWL kann da für Entlastungen sorgen.“

Die Lösung für die Region wäre der Aufbau eines Kooperationsprojektes mit der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum als Alma Mater. Die interdisziplinär aufgestellte Universität Bielefeld mit den schon bestehenden Forschungsinitiativen in der Region und den namhaften anderen Fakultäten wie der Gesundheitswirtschaft vervollständigten dann das Modell einer abgestimmten Patientenversorgungsinitiative und einer medizinischen Forschungsinitiative.

Windhorst: „Für diese Dependance-Lösung benötigen wir eine ausreichende und bedarfsgerechte Finanzierung. Lehre und Forschung müssen sich in diesem neuen Kooperationsprojekt qualitativ hochwertig wiederfinden, denn nur sie zusammen im Verbund garantieren eine hohe Qualität der Patientenversorgung.“

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe sieht nach Aussage ihres Präsidenten ihre Aufgabe darin, solch ein Kooperationsmodell zu unterstützen. In Kooperationen, Vernetzungen und Verbünden zwischen ambulanter und stationärer Versorgung sieht Windhorst eine gute Möglichkeit, eine hochstehende Patientenversorgung auch zukünftig zu gewährleisten. „Hier hat die Ärztekammer ein großes Know-how.“ Mit der Koordinierungsstelle für Allgemeinmedizin (KoStA) habe man in der Kammer schon vor geraumer Zeit eine zentrale Anlaufstelle eingerichtet, um angehenden Medizinern in Fragen der Weiterbildung beiseite zu stehen und die Weiterbildung etwa durch die Schaffung von Weiterbildungsverbünden oder Praxisbörsen zu erleichtern. Derzeit betreue die KoStA 42 Weiterbildungsverbünde. „Mit der KoStA bauen wir zwischen den Sektoren die Brücken für die Qualifizierung der Ärzte. Durch unsere Kompetenz in der ärztlichen Weiterbildung organisieren wir die Versorgung und nehmen dadurch unsere Versorgungsverantwortung wahr.“

Ein weiterer Vorteil dieser Dependance-Lösung: „Studien zeigen, dass Medizinstudierende sich vorzugsweise in ihrer Studienregion als Arzt niederlassen. Diese Bodenständigkeit sollten wir nach dem Motto ‚In der Region, für die Region’ nutzen. Mit der Ansiedlung von Medizinstudienplätzen in Bielefeld können also gute Voraussetzungen geschaffen werden, um dem Ärztemangel in der Region OWL entgegenzuwirken.“