Deutscher Ärztetag nimmt Freiheit des Arztberufs in den Blick - Ärztekammer warnt: Gesundheitswesen funktioniert nur mit freien Ärzten

„Geht dem freien Beruf Arzt immer mehr Freiheit verloren, ist unser Gesundheitswesen an der Wurzel bedroht“, warnt Dr. Klaus Reinhardt. Der Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe sieht die immer stärkeren staatlichen Eingriffe in die ärztliche Berufsausübung kritisch. Die Motivation, den Experten- und Wissensberuf Arzt zu ergreifen und lebenslang durchzuhalten, schwinde zusehends – Grund genug für den 112. Deutschen Ärztetag, der in der kommenden Woche in Mainz stattfindet, die Perspektiven für den ärztlichen Berufsstand auf die Tagesordnung zu nehmen.

„Es hat sich seit vielen Jahren bewährt, dass Ärzte fachlich unabhängig und immer eigenverantwortlich arbeiten“, macht Reinhardt deutlich, wie wichtig ein freier Arztberuf ist. Staatliche Stellen übten lediglich eine Rechtsaufsicht aus, die fachliche Aufsicht sei aus gutem Grund Sache der ärztlichen Selbstverwaltungskörperschaften. „Unter diesen besonderen Bedingungen machen Ärzte nicht nur einen Job, sondern fühlen sich mit ihrer Arbeit ausdrücklich dem Gemeinwohl verpflichtet und sichern so eine funktionierende Gesundheitsversorgung für alle Bürger.“ Die Unabhängigkeit des Arztes garantiere zudem, dass er für seine Patienten eine Schutzfunktion wahrnehmen könne.

Weil zunehmend wirtschaftliche Aspekte in den Vordergrund rückten und die Sozialgesetzgebung immer detaillierter in Praxen und Kliniken hineinregiere, sei diese Motivation jedoch bedroht. „Selbstverständlich heißt ,frei’ nicht ,grenzenlos’“, erläutert Dr. Reinhardt. Doch die Regelungswut der Gesundheitspolitik sei übertrieben. „Aus dem international vorbildlichen Gesundheitswesen in Deutschland ist längst eine bis ins Kleinste regulierte Gesundheitswirtschaft geworden. Statt einer Patientenversorgung nach bes-tem medizinischen Standard wird von Ärzten heute vor allem eine möglichst wirtschaftliche Behandlung erwartet.“

Vom Deutschen Ärztetag, zu dem auch die Ärztekammer Westfalen-Lippe als viertgrößte deutsche Kammer ein Delegierten-Kontingent entsendet, erhofft sich Dr. Reinhardt deshalb eine grundsätzliche Diskussion, unter welchen Bedingungen Ärztinnen und Ärzte ihre bisherigen freiwilligen berufsethischen und gemeinwohl-bezogenen Verpflichtungen weiterhin erfüllen können. Zuvor beschäftigt sich die jährlich tagende Versammlung der Deutschen Ärzteschaft mit der Sicht der Patienten: Das Ärzteparlament diskutiert Patientenrechte in Zeiten der Rationierung und spricht zudem ausführlich über die Medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung.