Das Märchen von den Effizienzreserven - Windhorst: Angebliche Einsparpotenziale sind „statistisches Harakiri“

Mit warnender Kritik reagiert der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst auf den „Krankenhaus-Report 2010“ des Wissenschaftlichen Institutes der AOK (WIdO). Der Report mit dem Titel „Krankenhausversorgung in der Krise?“ kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass bei den Krankenhäusern noch „Effizienzreserven in Milliardenhöhe“ bestünden. 

„Die Mär von den Effizienzreserven in den Kliniken ist einfach nicht tot zu kriegen“, sagt hingegen Windhorst. „Es ist statistisches Harakiri, immer mehr Einsparpotenziale in der stationären Patientenversorgung herbeizurechnen.“ Die Leistungsverdichtung in den Krankenhäusern könne für die Ärzte und das Pflegepersonal nicht unbegrenzt weitergehen.  

Es sei richtig, wenn der WIdO-Report zu dem Resultat komme, dass in den Krankenhäusern überwiegend gut und effizient gearbeitet werde und die Kliniken für die Herausforderungen eines Gesundheitssystems mit begrenzten Mitteln gerüstet seien. Schließlich habe man in der Vergangenheit massiv Kapazitäten abgebaut, aber dennoch die Leistung gesteigert. Doch dürfe man daraus nicht die falschen Schlüsse ziehen: „Irgendwann ist das System am Ende und die Zitrone ist ausgepresst.“ Wenn die Studie nun von zwei bis vier Milliarden Euro Effizienzreserven ausgehe, würde dies das „Ende der qualitativ hochstehenden stationären Patientenversorgung im Land bedeuten“. Man dürfe nicht nur mit Betten-Zahlen jonglieren, sondern müsse auch Notfall-Reserven berücksichtigen. 

Windhorst warnt davor, Finanzmittel aus dem Krankenhaussystem herauszuziehen. Es dürfe nicht zu einem weiteren Stellenabbau kommen. Schließlich fehlten in Nordrhein-Westfalen bereits heute etwa 1000 Ärzte an den Kliniken. Vielmehr sei eine nachhaltige und langfristige Finanzierung für die Krankenhäuser notwendig. „Die Kliniken brauchen vor allem Planungssicherheit. Über den Köpfen der Ärzteschaft darf nicht das Damoklesschwert der Kürzungen und Einsparpotenziale schweben.“ Hier sei auch die nordrhein-westfälische Landesregierung gefordert.