Beispiel Weiterbildung: Ärztekammern nehmen Vesorgungsverantwortung wahr - Windhorst will stärkere Beteiligung der Kammern bei der Gestaltung der Patientenversorgung

Die bedeutende Rolle der ärztlichen Selbstverwaltung für die Patientenversorgung kommt nach Ansicht der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) in dem geplanten Versorgungsstrukturgesetz nicht zum Tragen. Dies kritisiert der Präsident der ÄKWL, Dr. Theodor Windhorst, in einem Schreiben an die nordrhein-westfälische Landesgesundheitsministerin Steffens.

„Die Zuständigkeiten der Länder werden im geplanten Gesetz ebenso wenig angemessen berücksichtigt wie die Strukturverantwortung der Ärztekammern. Auch die Bundesärztekammer wird in dem Gesetz nur rudimentär einbezogen“, so Windhorst. „Die Ausgestaltung der medizinischen Versorgungsbereiche ohne die Kammern ist für mich nicht hinnehmbar.“ Noch sei die Patientenversorgung in Deutschland eine der besten Europas, Studien bestätigten dies, so Windhorst weiter. „Umfragen zeigen ein gutes Bild der erlebten Versorgung.“ Die ärztliche Selbstverwaltung sei bis jetzt lebendiger und fördernder Bestandteil dieser Erfolgsstory – „trotz kleiner Budgets und zentralverwalterischer Eingriffe, denen sie sich immer wieder gegenüber sieht“.

Das Gesundheitssystem steht nach Ansicht des Kammerpräsidenten sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene derzeit vor großen strukturellen Herausforderungen: Fachkräftemangel in den Gesundheitsberufen, regionale Unterschiede in der medizinischen Ver-sorgung, die Auswirkungen des demographischen Wandels bei Patienten und Angehörigen der Gesundheitsberufe. „Die Problemlage ist sehr komplex.“ Bei all diesen Herausforderungen sehe sich die Ärztekammer Westfalen-Lippe „mit in der Versorgungsverantwortung“. Im Bereich der stationären Versorgung werde dies in NRW mit der unmittelbaren Beteiligung der Ärztekammern an der Krankenhausplanung auch aufgegriffen. Hier habe sich die Strukturverantwortung der Ärztekammern bewährt. „Aber unsere Verant-wortung geht weiter“, sagt Windhorst.

Eine zentrale Aufgabe der Ärztekammer liege in der Gestaltung der ärztlichen Weiterbildung. „Die Weiterbildungsordnung ist Grundlage der ärztlichen Berufsausübung. Weiterbildungsstrukturen aufzubauen heißt auch Versorgungsstrukturen zu organisieren. Weiterbildung gestalten heißt Versorgung gestalten“, betont Dr. Windhorst. Natürlich müssten die Anforderungen an die Weiterbildung ständig und besonders unter den Aspekten einer sektorübergreifenden Versorgung den jeweils neuen Realitäten angepasst werden. Die Ärztekammer initiiere, unterstütze und begleite gegenwärtig über 40 Weiterbildungsverbünde in Westfalen-Lippe, um damit die haus- wie die fachärztliche Versorgung zukunftsfest zu machen.

Windhorst: „Für mich ist dies ein herausragendes Beispiel für die Übernahme von Strukturverantwortung, bei der der Stellenwert der Ärztekammer nicht zuletzt deswegen hoch ist, weil sie alle Versorgungsebenen – ambulant wie stationär – zielgerichtet zusammenführen kann. Aber unsere Anstrengungen, auf Landesebene die Versorgungsstrukturen föderal im Sinne der Menschen vor Ort zu gestalten, werden von der Bundesebene nicht nur nicht berücksichtigt, sondern sogar direkt konterkariert.“ Aktuell werde dies auch bei der derzeit diskutierten Ausgestaltung der ambulanten spezialärztlichen Versorgung sichtbar, um die sektorübergreifende Verzahnung der fachärztlichen Versorgung voranzubringen. „Da hier aber auch Qualifikationsanforderungen geregelt werden, ist die Zuständigkeit der Ärztekammern für die Weiterbildung zwingend zu beachten“, fordert Windhorst. „Das ist derzeit erkennbar nicht der Fall“, kritisiert er.

Die Weiterbildungskompetenz der Ärztekammern müsse unbedingt anerkannt und einbezogen werden. Ein Weg wäre die Aufnahme der Bundesärztekammer als stimmberechtigtes Mitglied in den Gemeinsamen Bundesausschuss. Ein anderer Weg könnte laut Windhorst der Einbeziehung der Bundesärztekammer in vierseitige Verträge zur Ausgestaltung die neuen fachärztlichen Spezialversorgung im ambulanten Bereich unter Einbeziehung der Krankenhäuser zwischen dem GKV-Spitzenverband, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und der Bundesärztekammer liegen.

Windhorst abschließend: „Die Versorgungsherausforderungen in der Region können keinesfalls durch bundesgesetzliche Regelungen bewältigt werden können. Die Patientenversorgung muss regional gesichert sein. Hier haben die Landesärztekammern Kompetenzen, Erfahrung und Engagement, die Versorgungsstrukturen regional zukunftsfest zu machen. Die Politik muss nur darauf zurückgreifen.“