Arbeitskampf an kommunalen Krankenhäusern - Kammervorstand appelliert an innerärztliche Solidarität

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) unterstützt die Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Krankenhäusern bei ihrem Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und angemessene Arbeitsentgelte. Die Forderungen nach einem fairen Tarifangebot um einen gerechten Ausgleich für die steigenden Arbeitsbelastungen im Rund-um-die-Uhr-Dienst, insbesondere in den Bereitschaftsdiensten in der Nacht und am Wochenende, sind laut einer einstimmigen Entschließung des Vorstandes der ÄKWL gerechtfertigt. Der Vorstand der Kammer appelliert an die innerärztliche Solidarität, die Durchsetzung ärztlicher Inte-ressen zur Wertschätzung der ärztlichen Arbeit zu unterstützen und ruft besonders auch die Abteilungsleiter zur Einhaltung der Notdienstverordnung auf. Der Kammervorstand kritisiert, dass Honorarärzte oder niedergelassene Kolleginnen und Kollegen durch ihre Bereitschaft, an den bestreikten kommunalen Kliniken Dienst zu tun, den Arbeitskampf und die Solidarität mit den Streikenden damit aufkündigen.

Vor dem Hintergrund von etwa 1200 unbesetzten Stellen in rund 430 nordrhein-westfälischen Kliniken spricht sich der Vorstand der Ärztekammer Westfalen-Lippe dafür aus, die Arbeitsbedingungen in den Kliniken zu verbessern. Für die Steigerung der Attraktivität der kurativen ärztlichen Tätigkeit in Krankenhäusern sei insbesondere eine bessere Bezahlung der Arbeit zu ungünstigen Zeiten unverzichtbar, so der Beschluss. Zudem müssten die Arbeitsplatzsituation und die Arbeitsabläufe in den Kliniken verbessert werden.

„Es gilt, einen Exodus der Ärzte aus den Kliniken zu verhindern. Schließlich haben wir Ärzte den schönsten Beruf der Welt, der aber derzeit erheblich unter den sehr schlechten Rahmenbedingungen leidet“, sagt Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe. „Die Kernkompetenz der Ärzteschaft ist und bleibt die Arbeit am Patienten, nicht Bürokratie und Dokumentation. Ändern wir nichts an Arbeitsverdichtung und Überstunden, läuft uns weiter der Nachwuchs weg. Wir brauchen konkurrenzfähige Arbeitsplätze in unseren Krankenhäusern, um Abwerbungen aus dem Ausland verhindern zu können.“

Windhorst warnt auch vor einer weiteren Konsequenz des Leiharzt-Einsatzes. „Was jetzt ein kurzfristiges Abfedern der Streikfolgen sein soll, kann zu einem gefährlichen Domino-Effekt führen. Immer mehr Ärzte überlegen nämlich, ihre derzeitige Stelle zu kündigen und als Honorararzt tätig zu werden. Das reißt immer mehr Löcher in das System. Irgendwann ist die Sogwirkung des großen Geldes nicht mehr aufzuhalten. Dann werden Leihärzte zum Normalfall. Sie können sich derzeit ihren ‚gerechten Lohn’ nehmen.“