Angeblicher Ärztepfusch: Kammer wehrt sich gegen „plakatives Anprangern“ - Windhorst: Berichterstattung diskreditiert Ärzteschaft und schadet dem vertrauensvollen Arzt-Patienten-Verhältnis

Der heutige Bericht der Bild-Zeitung über vermeintlichen Ärztepfusch und daraus resultierenden 1712 Todesfällen ist nach Ansicht des Präsidenten der Ärztekammer Westfalen-Lippe ein „plakatives Anprangern der Ärzte als Pfuscher“ und führt zu erheblichen Beeinträchtigungen des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient. „Solch eine Berichterstattung diskreditiert die Ärzteschaft und führt zu Verunsicherung der Bevölkerung“, kritisiert Windhorst. „Mit der Wortwahl Ärztepfusch kann man tiefe Wunden schlagen.“

Der heutige Bericht der Bild-Zeitung über vermeintlichen Ärztepfusch und daraus resultierenden 1712 Todesfällen ist nach Ansicht des Präsidenten der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) ein „plakatives Anprangern der Ärzte als Pfuscher“ und führt zu erheblichen Beeinträchtigungen des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient. „Solch eine Berichterstattung diskreditiert die Ärzteschaft und führt zu Verunsicherung der Bevölkerung“, kritisiert Windhorst. „Mit der Wortwahl Ärztepfusch kann man tiefe Wunden schlagen.“

Jeder Todesfall durch falsche Behandlungen oder Komplikationen sei einer zuviel, sagt Windhorst. Patientenschutz bedeute auch den offen Umgang mit den Vorwürfen von Behandlungsfehlern und Todesfällen. Festgestellte Fehler seien immer ein Anlass dafür, ärztliches Handeln zu verbessern. Aber er warnt vor „unnötiger Panikmache“. Die aktuelle Bild-Berichterstattung sei nicht zielführend und „keine reelle Information“. Im Verhältnis zu 17 Millionen Behandlungen in den Kliniken und 60 Millionen Arzt-Patienten-Kontakten in den niedergelassenen Praxen lägen die immer wieder neu vermeldeten Zahlen von Todesfällen durch ärztliche Behandlungen im „allergeringsten Promillebereich“, so Windhorst. „Wir wollen nichts bagatellisieren, aber diese Relationen müssen beachtet werden.“

In Westfalen-Lippe wurden im vergangenen Jahr nach der Bewertung von 1083 Anträgen durch die Gutachterkommission der ÄKWL 210 Behandlungsfehler festgestellt. Dabei kam es in der direkten oder indirekten Folge zu 13 Todesfällen. Im Jahr 2010 verzeichnete man vier Todesfälle nach erwiesener fehlerhafter Behandlung, 2009 waren es sieben. Die Fehler geschahen vor allem im Krankenhaus und wurden in den Bereichen Diagnostik, postoperative Maßnahmen und medikamentöse Therapie festgestellt. Die Quote der anerkannten Behandlungsfehler sei in Westfalen-Lippe nach wie vor niedrig. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe wertet regelmäßig die Ergebnisse der Gutachterkommission für ärztliche Haftpflichtfragen aus und passt ihr Fortbildungsangebot entsprechend an. Windhorst: „Wir wollen nicht, dass sich Fehler wiederholen. Zu einer guten Fehlerkultur gehört es, Zwischenfälle nicht zu verschweigen, sondern sie offensiv aufzuarbeiten.“

Münster, 16. Februar 2012      07/12_hei