Alarmierende Talfahrt der Organspendezahlen – Tiefschlag für die Menschen auf der Warteliste - Windhorst: Bei der Organspende müssen dringend drei Problemfelder gelöst werden

Münster, 13. Oktober 2011 - 56/11_hei

Die Meldungen über den erheblichen Rückgang der Organspendezahlen sind für den Präsidenten der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, ein alarmierendes Zeichen. „Wir haben weiterhin verheerende Problemfelder bei der Förderung der Organspende. Diese müssen dringend gelöst werden, um dem Leid auf der Warteliste entgegen zu wirken“, fordert Windhorst. Er sieht aktuell den Gesetzgeber, die Krankenhäuser sowie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) besonders gefordert.

Wie jetzt bekannt wurde, sank die Zahl der gespendeten Organe im ersten Halbjahr 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent. Dies sei ein erheblicher Rückschlag, sagt der Kammerpräsident, zumal die zuvor positive Entwicklung von 2009 zu 2010 - die Zahl der gespendeten Organe stieg damals von 3.900 auf 4.200 ¬ - Anlass zu einer gewissen Hoffnung gegeben habe. Windhorst spricht sich erneut für die Informations- und Erklärungslösung entsprechend den Beschlüssen der Ständigen Kommission für Organspende der Bundesärztekammer und des letzten Deutschen Ärztetages aus, bei der sich jeder Bürger nach ausführlicher Information für oder gegen eine Organspende entscheidet. „Dies ist zumutbar.“

Die Politik sei gefordert, endlich stabile und praktikable gesetzliche Rahmenbedingungen für die Organspende festzulegen. Die Bundesregierung müsse nun ihrer Verantwortung für die Daseins- und Gesundheitsfürsorge nachzukommen. Nur so könne die offenkundige Mangelsituation in der Transplantationsmedizin erheblich entspannt werden. „Die gewählten Gesetzgeber müssen Entscheidungen treffen und damit Vorgaben setzen.“

Auch die Krankenhäuser sieht Windhorst in der Pflicht. Obwohl es schon seit längerem gesetzlich verpflichtend sei, einen Transplantationsbeauftragten in den Kliniken zu installieren, sei dies bei einem Drittel der betroffenen Häuser noch nicht geschehen. „Die Kliniken kommen ihrer Verantwortung nicht nach, das ist ein untragbares Versäumnis“, kritisiert Windhorst. Dabei sei die Kostenfrage zu klären. Zudem benötigten die eingesetzten Transplantationsbeauftragten mehr Freiräume sowie Entlastung von Routinearbeiten.

Zuletzt seien die schwerwiegenden Vorwürfe innerhalb der DSO, die durch einen offenen Brief der DSO-Mitarbeiter an die Öffentlichkeit kamen, „nicht gerade förderlich für die Organspende“. Die öffentliche Diskussion über gutsherrenartigen Führungsstil, Konzeptlosigkeit und Ressourcenverschwendung bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation müsse beendet und eventuelle Missstände müssten abgestellt werden, fordert Windhorst. Hier sei eine schnelle Klärung der Sachverhalte notwendig, um zügig wieder zur Alltagsarbeit im Sinne der Förderung der Organspende kommen zu können.

Windhorst: „Derzeit schreitet die Organspende gleich durch drei Jammertäler. Die Leidtragenden sind die 12.000 Menschen auf der Warteliste, die inständig auf eine Organspende hoffen, um weiterleben zu können. Jeden Tag sterben drei von diesen Hoffenden und Wartenden.“