Ärzteparlament debattiert über Reform des Medizinstudiums - Landesministerin Svenja Schulze zu Gast - Windhorst: Patienten brauchen hochwertig ausgebildete Ärzte in der Versorgung – Masterplan 2020 sollte dafür den Grundstein legen

„Wenig Begeisterungspotenzial“ attestiert der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, den bisher vorliegenden Plänen der Bund-Länder-AG der Wissenschafts- und Gesundheitsminister zur Reform des Medizinstudiums. „Bei dem Masterplan 2020 sind noch viele Fragen offen“, kritisiert Windhorst im Vorfeld der kommenden Parlamentssitzung der westfälisch-lippischen Ärzteschaft, die sich am Samstag in Münster mit der Ausbildung des medizinischen Nachwuchses beschäftigt. Svenja Schulze, Landesministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung, wird die Pläne der Politik darstellen.

Gute Patientenversorgung basiert nach Ansicht des Kammerpräsidenten auf einer qualitativ hochstehenden ärztlichen Ausbildung. „Die Patienten brauchen hochwertig ausgebildete Ärzte in der Versorgung. Der Masterplan 2020 sollte dafür den Grundstein legen. Einem möglichst frühzeitigen Praxisbezug im Studium kommt eine entscheidende Bedeutung zu, angehende Ärztinnen und Ärzte müssen umfassend auf die Versorgung von Patientinnen und Patienten vorbereitet werden.“ Man müsse dem medizinischen Nachwuchs neben der Wissensvermittlung auch Perspektiven über die Approbation hinaus bieten, so Windhorst. 

Deshalb ist auch einer der Hauptkritikpunkte am Masterplan 2020, dass die Reform das Interesse des ärztlichen Berufsnachwuchses an der Allgemeinmedizin mit Zwang wecken wolle. „Doch die Medizinstudenten lehnen ebenso wie die meisten Verbände in den Ärztekammern Pflichtabschnitte im Praktischen Jahr ab, auch wenn es um das wichtige Gebiet der Allgemeinmedizin geht“, so Windhorst. Die Allgemeinmedizin sei das Rückgrat der ambulanten Versorgung, sie verdiene jede Unterstützung. „Eine weitere Verpflichtung zum mündlich-praktischen Abprüfen allgemeinmedizinischer Inhalte wird allerdings kaum jemandem den Beruf des Hausarztes attraktiver erscheinen lassen“. Eine solche Perspektive ergebe sich viel eher aus Famulaturen in der Hausarztpraxis oder aus der immer noch nicht flächendeckend verwirklichten Stärkung der Allgemeinmedizin an den Medizinischen Fakultäten.

Die Struktur des Praktischen Jahres werde bei den Diskussionen um den Masterplan 2020 immer wieder zur Disposition gestellt, so Kammerpräsident Windhorst. „Aber diese Zeit der Orientierung verträgt keine weitere Belastung durch neue Verpflichtungen.“ Zwei Tertiale seien für die Chirurgie und die Innere Medizin reserviert und führten so exemplarisch in ein operatives und ein konservatives Fach ein. Windhorst: „Das dritte Tertial jedoch muss frei wählbar bleiben, muss Studierenden die Gelegenheit zum Ausprobieren und Überprüfen ihrer beruflichen Interessen geben.“ Die Studierenden schon vor der Immatrikulation per Quote auf eine haus- oder fachärztliche Tätigkeit festlegen zu wollen, habe mit freier Berufswahl nicht mehr viel zu tun.

Noch immer ist laut Windhorst die zu geringe Zahl von Medizin-Studienplätzen in Deutschland ein Hauptproblem für die künftige medizinische Versorgung. Der Versorgungsbedarf steige, auch die Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes und die geänderten Vorstellungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf einer neuen Ärztegeneration erforderten es, die ärztliche Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen. Windhorsts Kritik: „Doch die Länder kommen mit der Schaffung neuer Studienkapazitäten nicht nach, sie stellen sich in diesem wichtigen Bereich der Daseinsvorsorge nicht ihrer Verantwortung.“

Letztlich müsse die Auswahl der kommenden Medizinstudenten neu geregelt werden. „Wer soll überhaupt Medizin studieren?“ Das Abiturzeugnis müsse zwar die Eintrittskarte für die Medizinerausbildung sein. Doch die starke Fixierung auf den Notenschnitt führe mittlerweile zu aberwitzigen Auswahlverfahren. „Wir brauchen dringend geänderte Zulassungsvoraussetzungen, die weitere Aspekte der Eignung und Motivation für den Beruf wie etwa soziales Engagement oder eine bereits abgeschlossene Ausbildung in Medizinberufen berücksichtigen“, so Windhorst abschließend.