Ärztekammern im Megatrend Qualität - Windhorst: Qualitätssicherung für Patientenversorgung ist genuin ärztliche Aufgabe

Eine führende Rolle der Ärzte bei der Qualitätssicherung in der medizinischen Versorgung fordert die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL). Anlässlich einer Festveranstaltung zum 25jährigen Bestehen des Ressorts Qualitätssicherung sagte Kammerpräsident Dr. Theodor Windhorst, die Ärzteschaft habe in der Vergangenheit bewiesen, dass sie leistungsfähige Strukturen in der Qualitätssicherung aufbauen könne. Allein 2008 hätten sich bei 80 von 208 Modulen der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) Verbesserungen eingestellt. Die Beteiligung der ärztlichen Selbstverwaltung an der Gestaltung der Qualitätssicherungs-Strukturen sei deshalb unerlässlich. „Die für die Qualitätssteuerung notwendigen Kriterien lassen sich sektorübergreifend ohne Mitwirkung der betroffenen Ärzte nicht erarbeiten“, so Windhorst.

Der Kammerpräsident nimmt in diesem Zusammenhang mit Bedauern zur Kenntnis, dass die zentralen Qualitätssicherungs-Aufgaben zwar nun in einem rechtmäßigen Verfahren an das AQUA-Institut vergeben worden sind. „Doch damit ist die bisher gut arbeitenden und funktionierende BQS ausgebootet.“ Bisher sei die ärztliche Selbstverwaltung entscheidend an der Entwicklung der Strukturen beteiligt gewesen. Nun rücke die Weiterentwicklung der Qualitätssicherung weg vom ärztlichen Einfluss und deutlich in Industrie-Nähe. „Aber“, so Windhorst, „am Know-how der Ärzteschaft in der Qualitätssicherung kommt auf längere Sicht keiner vorbei. Wer soll und kann die ärztliche Leistung am Patienten evaluieren, wenn nicht der Fachverstand der Ärzte selbst? Es ist ein Trauerspiel, dass die ärztliche Selbstverwaltung selbst auf Landesebene keine Stimme mehr bei der Weiterentwicklung der Qualitätssicherung hat.“

Nur die Ärztekammern seien auf Länderebene fachlich unabhängig, „weil sie weder an der Finanzierung noch an der Geldverteilung“ beteiligt sind. Auch qualitätsverbessernde Maßnahmen sollten nur durch die neutralen Ärztekammern erfolgen. Windhorst warnte vor eine „Ökonomisierung der Medizin, die eine Ressourcenzuweisung anhand von Qualitätskriterien zur Folge hat“. Eine Qualitätssicherung ohne Ärzteschaft werde die Akzeptanz derer verlieren, für die sie eigentlich da sein sollte: nämlich die Ärzte. „Die Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern und den Praxen wünschen sich eine pragmatische und leicht durchzuführende Qualitätssicherung, die ihnen mit höchstmöglicher Effizienz bei der Verbesserung ihrer Arbeit am Patienten hilft“, so Windhorst.