Ärztekammer weist auf die Auswirkungen einer möglichen Versorgungsschwäche der Kliniken für Patienten hin - Windhorst: Folgt dem Mangel an Ärzten der Mangel an Qualifikation?<br>

Münster, 27. März 2009 - 14/09_hei


Wer über den ärztlichen Versorgungsmangel an den Krankenhäusern spricht, redet zunächst von den bekannten Problemen: unbesetzte Arztstellen, überlastete Ärzte und viel zu lange Dienstzeiten. Es kommt aber noch viel schlimmer: Langfristig, so Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, hat dieser Ärztemangel gravierende Folgen für die medizinische Versorgungsqualität an den Kliniken. „Freie Arztstellen bedingen einen Stopp der Weiterbildung. Es fehlt zwangsläufig die Zeit für eine ange-messene Weiterbildung unseres medizinischen Nachwuchses. Wenn die noch verbliebenen Ärztinnen und Ärzte sich anstrengen müssen, um nicht in Routinearbeiten zu ersticken, wenn Stationsroutine, Dokumentation und Bürokratie auf wenigen Schultern lasten, wenn Zusatzdienste in der Rundum-Versorgung abgeleistet werden müssen, dann wird notgedrungen die ärztliche kollegiale Weiterbildung vernachlässigt oder sogar aufgegeben. Da tickt eine Zeitbombe für die Qualität der Ärzteschaft.“

Der Arztmangel an den Krankenhäusern ist evident: In den Krankenhäusern der Region Bielefeld etwa werden laut Deutschem Ärzteblatt sechs Oberärzte und 29 Assistenzärzte gesucht, in der Region Bochum sind es gar vier Chefärzte, 26 Oberärzte und 142 Assistenzärzte. Diese Zahlen dokumentieren nach Ansicht von Kammerpräsident Windhorst den Ernst der Lage. Er warnt vor einer „bedrohlichen Versorgungsschwäche in den Kliniken“.

Es gebe einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Zahl der unbesetzten Stellen in den Klinikabteilungen und den dort erbrachten Überstunden. „Wo Arztstellen frei bleiben, müssen die Kolleginnen und Kollegen natürlich einspringen.“ Die Arbeitsverdichtung an den Kliniken sei für die Ärzte dermaßen groß, dass die Mediziner nur noch selten die Gelegenheit für eine angemessene Weiterbildung fänden. „Weiterbildung kostet eben Zeit und die haben die Fachärzte einfach nicht mehr. Eine ausgiebige und intensive Weiterbildung ist aber das Faustpfand für gute ärztliche Arbeit“, so Windhorst. Könnten sich jedoch Weiterbilder und Weiterzubildende an den Kliniken nicht mehr die nötige Zeit nehmen, gehe letztendlich die Wissensvermittlung und damit die ärztliche Qualität verloren.


Der Ärztemangel an den Krankenhäusern führe zu höheren Dienstbelastungen und Problemen, die Vorgaben des Arbeitszeitgesetzes einzuhalten. Als Folge daraus nehme die berufliche Zufriedenheit der Ärzte stark ab. Es sei die Tendenz zu beobachten, dass Ärzte eine personell unterbesetzte Abteilung schneller verlassen. „Das ist ein Teufelskreis“, so Windhorst, „dessen negative Auswirkungen dann die Patienten direkt spüren werden.“

Um diesem Trend, der mittel- und langfristig eine Gefahr für die ärztliche Qualität darstelle, früh entgegenzuwirken, fordert der Kammerpräsident eine sachgerechte Finanz- und Personalausstattung sowie eine entsprechende Entwicklung der Personalzahlen an den Kliniken. Die Subventionierung der Infrastruktur der Krankenhäuser aus dem Konjunkturprogramm II sei zwar dringend notwendig und begrüßenswert, aber „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Vielmehr sei eine langfristige Sicherung der Personalausstattung der Kliniken unter Berücksichtigung der kompletten Refinanzierung der notwendigen Lohnerhöhungen erforderlich, da diese Ausgaben für Lohnkosten nicht weitergegeben werden könnten. Außerdem müsse die kostenintensive Notfallversorgung mit der Vorhaltung von Personal und Notfallbetten gesondert verrechnet werden.

Windhorst abschließend: „Können wir uns vor dem Hintergrund des Mangel-Dilemmas schlecht qualifizierte Ärzte leisten? Ich sage ‚Nein’!“