Ärztekammer lehnt unbeschränkte Freigabe der Präimplantationsdiagnostik ab - Windhorst: „Wir brauchen Regelung nahe an der Versorgungsrealität"

In der Diskussion um die Regelung der Präimplantationsdiagnostik (PID) fordert die Ärztekammer Westfalen-Lippe, die tatsächlichen Bedürfnisse der betroffenen Familien in den Mittelpunkt der Gesetzgebung zu stellen. „Für die Präimplantationsdiagnostik brauchen wir dringend eine gesetzliche Regelung, die der Versorgungsrealität nahe kommt und belasteten Familien wirklich helfen kann“, mahnt Ärztekammerpräsident Dr. Theodor Windhorst. Bei der Kammer hat der Arbeitskreis Ethik-Rat seine Beratungen zur PID aufgenommen.

Mit Hilfe der Präimplantationsdiagnostik können bei Embryonen, die durch künstliche Befruchtung entstanden sind, vor dem Einpflanzen in den Mutterleib genetisch bedingte Erkrankungen erkannt werden. „Bei der PID darf es nicht darum gehen, Designerbabies zu schaffen“, stellt Dr. Windhorst klar. Das Verfahren könne aber unter strengen Voraussetzungen eingesetzt werden, um z. B. Menschen mit genetischer Vorbelastung und traumatisierenden Erfahrungen aus früheren Schwangerschaften in ihrem Kinderwunsch zu unterstützen.

„Der Ethik-Rat lehnt eine unbeschränkte Freigabe der Präimplantationsdiagnostik ab, die sich lediglich auf elterlichen Willen gründet“, erläutert Prof. Dr. Dr. Jens Atzpodien, Vorsitzender des Ethik-Rates. Nur in Ausnahmefällen sollte PID zugelassen werden – etwa wenn Paare ein hohes Risiko tragen, ein Kind mit einer schweren und nicht wirksam behandelbaren genetischen Erkrankung oder Behinderung zu bekommen und mit dem Austragen dieses Kindes in einen existenziellen Konflikt kommen würden. In jedem Fall müsse eine genetische, ethische und psychosoziale Beratung gewährleistet sein.

Die derzeit unter bestimmten Voraussetzungen durchgeführte Pränataldiagnostik bei Schwangerschaften, die durch künstliche Befruchtung entstanden, könne Gefahr für Leib und Leben von Mutter und Kind bedeuten, erläutert Ärztekammerpräsident Windhorst die bisherige Praxis. Die in der vorgeburtlichen Diagnostik gewonnenen Erkenntnisse könnten unter Umständen sogar erlauben, dass ein Schwangerschaftsabbruch bis zur 30. Schwangerschaftswoche möglich ist.

Die Anwendung der Präimplantationsdiagnostik, so Kammerpräsident Dr. Windhorst, sollte auf einen engen Personenkreis, z. B. genetisch belastete Menschen mit Kinderwunsch, Mütter mit vorangegangenen Totgeburten oder spontanen Aborten, beschränkt bleiben. Die Ärztekammer wendet sich gegen einen Katalog von Indikationen, nach denen eine Präimplantationsdiagnostik möglich sein sollte. Stattdessen fordert der Ethik-Rat, jeden Fall einzeln durch eine Sachverständigenkommission prüfen zu lassen, die nach ihrer Beratung eine PID befürworten könnte. In dieses Gremium sollten nicht nur Ärzte, sondern auch Juristen und Moraltheologen ihr Votum einbringen.