Ärztekammer: „Krankenkassen spielen mit dem Feuer“ - Blockadehaltung der Krankenkassen gefährdet Patientenversorgung in Westfalen-Lippe

Mit großer Sorge sieht die Ärztekammer Westfalen-Lippe, dass sich die Krankenkassen im Landesteil nach wie vor einer angemessenen Finanzierung der ambulanten Medizin im Landesteil verweigern. „Die Patientenversorgung ist auf mittlere Sicht ernsthaft gefährdet, wenn die Krankenkassen sich nicht endlich ihrer Verantwortung stellen und dafür geradestehen, dass die Arbeit der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte fair vergütet wird“, warnt Dr. med. Klaus Reinhardt, Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe. Nach ergebnislosen Verhandlungen zwischen Ärzten und Krankenkassen war in der vergangenen Woche per Schiedsspruch entschieden worden, dass die Krankenkassen das Finanzierungsniveau auch weiterhin nicht der tatsächlichen Morbidität der Bevölkerung anpassen müssen. „Damit kaufen die Kassen die ganze Bandbreite ärztlicher Leistungen nirgendwo in Deutschland so billig ein wie in Westfalen-Lippe.“

Dr. Reinhardt äußert deshalb Verständnis für den Unmut der in der Kassenärztlichen Vereinigung organisierten Ärzte und Psychotherapeuten, die bereits erwägen, zukünftig nur noch voll vergütete Leistungen zu erbringen. Dass die Krankenkassen in diesem Bereich seit Jahren jede Entwicklung blockieren, sei in Zeiten des Ärztemangels besonders für den ärztlichen Nachwuchs ein fatales Signal. „Eine gute Patientenversorgung ist nur mit einer ausreichenden Zahl von Ärzten möglich. Wie sollen junge Ärztinnen und Ärzte für die Arbeit in Westfalen-Lippe motivert werden, wenn von vornherein klar ist, dass ihnen jenseits der Landesgrenzen deutlich bessere Arbeitsbedingungen geboten werden?“

Mit ihrer starren Haltung gefährdeten die Krankenkassen zudem mutwillig das bislang bewährte System der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen. „Wenn die Ärzteschaft auf die Schieflage der Finanzierung im Gesundheitswesen aufmerksam macht, wird stets auf die Möglichkeit zu Verhandlungen mit den Kassen hingewiesen. Diese Lösung wird aber ganz bewusst von den Krankenkassen verweigert“, kritisiert Dr. Reinhardt. „Die Krankenversicherten in Westfalen-Lippe haben Anspruch auf eine gute Versorgung. Sie müssen wissen, dass es die Krankenkassen sind, die hier mit dem Feuer spielen.“

 

Münster, 23. April 2013     11/13_kd