Ärzte und Gesundheitspolitiker im Dialog - Ärzteschaft warnt: Patientenfreundliches Gesundheitssystem nicht aufs Spiel setzen

Unabhängig vom Ausgang der Bundestagswahl muss die Qualität der Patientenversorgung im Mittelpunkt der Gesundheitspolitik stehen: „Wir müssen unser patientenfreundliches Gesundheitssystem erhalten, denn es ist ein vernünftiges System, das hohe Behandlungsqualität sichert und Patienten große Freiheit bei der Wahl von Arzt und Leistungen bietet“, forderte Dr. med. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe bei einer Informationsveranstaltung mit Vertretern von Ärztekammer, ärztlichen Verbänden und politischen Parteien am Mittwochabend im Ärztehaus in Münster. Die Gesundheitspolitiker, unter ihnen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr und der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, bezogen Stellung zu „Wahlprüfsteinen“, an denen die Ärzteschaft die Vorstellungen der Parteien zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens misst.

Bahr, Spahn und Ingrid Arndt-Brauer MdB (SPD), Dr. med. Janosch Dahmen (B90/Die Grünen) und Helga Ebel (Die Linke) legten ihre Standpunkte u. a. zur Bürokratie-Last im Gesundheitswesen, zum Ärztemangel und zur Gewinnung ärztlichen Nachwuchses dar. Eine klare Absage erteilten die Vertreter der Ärzteschaft erneut den Plänen für eine Bürgerversicherung, die der nötigen erhaltenden Weiterentwicklung des Gesundheitswesens entgegenstehe. „Wir sind auch hier der Advokat der Patienten“, machte Kammerpräsident Windhorst deutlich. Es sei irreführend, unter dem Aspekt der Gerechtigkeit für die Beitragszahler eine Bürgerversicherung zu fordern. Denn eine weitaus schwierigere Gerechtigkeitsdebatte werde kommen, wenn sich unter den Bedingungen einer Einheits-Krankenversicherung eine Mehrklassen-Versorgung herausbilde, weil sich wirtschaftlich starke Patienten medizinische Zusatzleistungen hinzukaufen werden, wirtschaftlich schwache jedoch nicht.

„Unser bewährtes und in Europa angesehenes Gesundheitssystem dürfen wir nicht aufs Spiel setzen für einen Systemwandel, der uns vieles bringt, was wir nicht wollen“, warnte Dr. Windhorst. Ebenso wenig dürfe die Stellung der Ärztinnen und Ärzte als Freiberufler gefährdet werden. Die Freiberuflichkeit ermögliche es dem Arzt, sich unabhängig und eigenverantwortlich für seine Patienten einzusetzen. „Sie ist die Stütze unseres Gesundheitswesens, ein Pfund, mit dem wir auch im internationalen Vergleich wuchern können.“

Hintergrund:
Im Vorfeld der Bundestagswahl 2013 haben die Ärztekammer Westfalen-Lippe und rund 40 ärztliche Berufsverbände im Landesteil erstmals gemeinsam „Wahlprüfsteine“ formuliert. Die Prüfsteine enthalten als Statement der westfälisch-lippischen Ärzteschaft grundlegende Forderungen der Ärzteschaft für einen Erhalt und die Weiterentwicklung einer qualitätvollen Patientenversorgung sowie für verbesserte Rahmenbedingungen für ärztliche Ausbildung und Arbeit, um dem wachsenden Ärztemangel zu begegnen.


 

Im Ärztehaus in Münster diskutierten Vertreter von Ärztekammer und ärztlichen Verbänden mit Gesundheitspolitikern: (v. l. n. r.) Dr. phil. Michael Schwarzenau (Hauptgeschäftsführer der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Moderation), Dr. med. Klaus Reinhardt (Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe), Dr. med. Theodor Windhorst (Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe), Ingrid Arndt-Brauer MdB (SPD), Jens Spahn MdB (CDU), Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr MdB (FDP), Helga Ebel (DIE LINKE) und Dr. med. Janosch Dahmen (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN).