9. Forum Kinderschutz: Hilfe für Flüchtlingskinder - Windhorst: „Auch Flüchtlingskinder brauchen unsere besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung“

Flüchtlingskinder sind besonders schutzbedürftig, unabhängig davon, ob sie unbegleitet oder mit ihren Eltern nach Deutschland kommen. Dies erklärt die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) anlässlich des (morgigen) 9. Kinderschutzforums der ÄKWL in Herne, das sich mit der Hilfe für Flüchtlingskinder beschäftigt. Kammerpräsident Dr. Theodor Windhorst: „Die Flüchtlingskinder haben in den meisten Fällen traumatische Erfahrungen von Krieg, Flucht und Verlust der Heimat hinter sich. Sie kommen in ein fremdes Land, ohne Sprache, ohne Kontakte, müssen oft jahrelang ohne kindgerechte Ausstattung in den Unterkünften leben, immer bedroht von der Abschiebung. Auch diese Kinder brauchen für ihre gesunde Entwicklung unsere besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung.“ Aus mehreren Gründen seien Kinder und Jugendliche, die als Flüchtlinge nach Deutschland kommen, gesundheitlich besonders gefährdet: Schwere Infektionen treten gehäuft im Kleinkindalter auf, Impfungen wurden in den Herkunftsländern häufig nicht mehr durchgeführt. Bestehende Impflücken sollten daher bereits in der Erstaufnahmestelle sobald wie möglich geschlossen werden, so die Kammer.

Windhorst verweist in diesem Zusammenhang auf die UN-Kinderrechtskonvention, die 1992 in Deutschland in Kraft getreten ist und seit 2010 auch für Flüchtlingskinder gilt. Damit stehe auch unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen angemessener Schutz und humanitäre Hilfe zu. „Wir müssen dafür sorgen, dass sie kindgerecht untergebracht werden, dass sie unbürokratisch medizinische und psychotherapeutische Hilfe erhalten, dass sie unsere Sprache lernen können und dass sie möglichst früh in unser Bildungssystem integriert werden. Vielfach fehlen noch besondere staatliche Unterstützungsmaßnahmen für diese Kinder.“

Die derzeitigen Zahlen seien dramatisch, sagt Windhorst: Ein Drittel aller nach Deutschland einreisenden Flüchtlinge seien Kinder und Jugendliche. In Nordrhein-Westfalen lebten etwa knapp 8.000 minderjährige Flüchtlinge, bundesweit seien es mehr als 65.000 Flüchtlingskinder mit unsicherem Aufenthaltsstatus. Man könne davon ausgehen, dass pro Jahr zwischen 3.000 und 4.000 junge Flüchtlinge ohne einen Erwachsenen nach Deutschland einreisten. Die meisten Flüchtlingskinder kämen aus Syrien, Afghanistan und Somalia. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter den Flüchtlingen sei in der jüngsten Vergangenheit nochmals deutlich gestiegen.

Unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus hätten auch Flüchtlingskinder ein Recht auf Schulpflicht, Ausbildungserlaubnis und uneingeschränkte Gesundheitsversorgung, so Windhorst.

Das diesjährige Forum Kinderschutz der ÄKWL wird Beispiele vorstellen, wie eine Integration von Flüchtlingskindern in die Gesellschaft gelingen kann. Der Schwerpunkt wird dabei auf der medizinischen Erstversorgung, der Behandlung von posttraumatischen Belastungsstörungen und der Bildungsteilhabe für neu zugewanderte Kinder liegen.

Terminhinweis:
9. Forum Kinderschutz: Hilfe für Flüchtlingskinder
Samstag, 23. April 2016, 10.00 - 14.00 Uhr 
Veranstaltungsort: Kongresszentrum St. Anna Hospital, Hospitalstraße 19, 44649 Herne 
Die Veranstaltung ist kostenfrei.