6. Westfälischer Ärztetag: Wann ist der Arzt ein guter Arzt? – Spannungsfeld zwischen Medizin und Ökonomie - Windhorst: Patientenversorgung darf nicht auf dem Altar des Marktes geopfert werden

„Das Verhältnis zwischen Medizin und Ökonomie ist nicht spannungsfrei. Die Patientenversorgung muss aber immer Vorrang vor ökonomischen Aspekten haben. Diese dürfen ärztliches Handeln nicht beherrschen und eine gute Versorgung darf nicht auf dem Altar des Marktes geopfert werden.“ Dies erklärt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, im Vorfeld des sechsten Westfälischen Ärztetages, der am kommenden Freitag (5. Juli) unter dem Titel „Zwischen Altruismus und ökonomischen Interessen: Wann ist der Arzt ein ‚guter’ Arzt?“  stattfinden wird.

Zwar sei ärztliche Tätigkeit heute ohne ökonomische Verantwortung nicht vorstellbar, so der Kammerpräsident. Ökonomie sei für die Medizin und die ärztliche Berufsausübung eine ganz wesentliche Grundlage und kein Teufelswerk, denn Prinzipien ökonomischen Denkens und ärztliche Fürsorge dürften sich nicht ausschließen. Windhorst wehrt sich jedoch gegen „die Dominanz der Kostensenker, die wir tagtäglich in der Patientenversorgung erleben“. Der Maßstab in der Medizin dürfe nicht sein, Versorgung so kostengünstig wie möglich zu machen, indem man Patientenversorgung als industriellen Fertigungsprozess wie am Fließband gestalte.

Kammerpräsident Windhorst: „Medizin wird unter ökonomischen Vorzeichen immer stärker industrialisiert. Aber sie ist Arbeit mit und für den Menschen. Den billigen Jakob darf es in der Medizin nicht geben.“

Kritisch sieht Windhorst auch die Tendenz, aus Kostenersparnis ärztliche Aufgaben auf Nicht-Ärzte zu verlagern. Dies sei ein gefährlicher Trend zu Lasten der Patienten. „Wenn der Arzt nicht mehr selber die Ultraschalluntersuchung am Patienten vornimmt, entgeht ihm wichtige Zeit für Zuwendung, Hinwendung und Verständnis und er kann den Patienten nicht mehr in seiner Gesamtheit erfahren. Das reicht nicht für gute Medizin. Das reicht auch nicht, um ein ‚guter Arzt’ zu sein.“

Die Ärzteschaft versuche tagtäglich in Kliniken und Praxen, einen Ausgleich zwischen Altruismus und ökonomischen Interessen zu finden. „Eine Balance, die einerseits unseren Patienten Nutzen bringt, es uns aber andererseits möglich macht, von unserem Beruf zu leben, ohne unsere ethischen Prinzipien verraten zu müssen“, so Windhorst abschließend.