2. Forum Kinderschutz der Ärztekammer Westfalen-Lippe - Windhorst setzt sich für möglichst frühe Hilfen zum Schutz der Kindergesundheit ein

Einer der effektivsten Wege, um Kinder vor Misshandlung und Vernachlässigung zu schützen, sind Früherkennungsuntersuchung und die Etablierung von so genannten Frühen Hilfen. Dies sagt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Dr. Theodor Windhorst, im Vorfeld des zweiten Kinderschutzforums, das die Kammer am 28. März in Recklinghausen durchführt. Hilfen müssten möglichst früh sowie niedrigschwellig unmittelbar nach der Geburt zur Verfügung gestellt werden, weil die Gefahr von Kindeswohlgefährdung bei Säuglingen und Kleinkindern am höchsten sei, so Windhorst. Auf dem 2. Forum Kinderschutz der ÄKWL sollen deshalb Indizien für mögliche Kindesmisshandlungen, die Aspekte früher aufsuchender Hilfen und die Erfahrungen mit der Meldepflicht der Ärzte bei Kinderfrüherkennungsuntersuchungen im Zentrum stehen.

Windhorst: „Die Ärzteschaft wird auch in Zukunft bei der gesunden Entwicklung unserer Kinder eine ganz zentrale Rolle einnehmen. Sie kann aber nicht für Versäumnisse der Gesellschaft haftbar gemacht werden. Es müssen daher dringend die nötigen finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um von Vernachlässigung oder Gewalt bedrohte Kinder rechtzeitig zu identifizieren und ihnen die notwendigen Hilfen zur Verfügung stellen zu können.“ Der Kammerpräsident betont in diesem Zusammenhang die große Bedeutung eines flächendeckenden multi-professionellen Netzwerkes bestehend aus Kinder- und Jugendärzten, Gesundheitsämtern, Jugendämtern, sozialen Diensten, Hebammen, Kindergärten und Schulen für einen besseren Kinderschutz.

„Die interdisziplinäre Vernetzung zwischen allen Beteiligten ist eine wesentliche Voraussetzung für einen funktionierenden Kinderschutz. Nur wenn ein regelmäßiger Austausch stattfindet, können riskante Lebenssituationen bei Kindern frühzeitig wahrgenommen und kann entsprechend gegengesteuert werden“, so Windhorst.

Der Kammerpräsident begrüßt insbesondere den Vorstoß der Bundesregierung für ein neues Kinderschutzgesetz. Darin soll die ärztliche Schweigepflicht bei Anhaltspunkten für eine Kindswohlgefährdung gelockert werden. Zukünftig sollen Ärztinnen und Ärzte umgehend und ohne Zustimmung der Eltern bei Verdacht auf eine Gesundheitsgefährdung das Jugendamt informieren können. Dies sei bislang nur möglich gewesen, wenn eine akute oder nicht abwendbare Gefahr für das Kind bestand. „Wer Kinderschutz im ärztlichen Alltag realisieren will, darf nicht von der Schweigepflicht ausgebremst werden. Kinderschutz geht vor Datenschutz“, so Windhorst.       

Ein weiterer Beitrag, die Gesundheit der Kinder zu erhöhen, sei die regelmäßige Teilnahme an den Kinderfrüherkennungsuntersuchungen. Auch wenn die in Nordrhein-Westfalen seit Anfang 2009 geltende Meldepflicht einen Mehraufwand für die Ärztinnen und Ärzte bedeute, sei sie doch ein wichtiger Beitrag, den Gesundheitszustand von Kindern zu verbessern. Ziel sei es, die bislang fünf bis zehn Prozent der Familien, die keine Kinderfrüherkennungsuntersuchungen wahrnehmen, zu identifizieren und sie zu einer Teilnahme zu bewegen. „Allerdings“, so Windhorst abschließend, „ist auch die Meldepflicht kein sicheres Verfahren, die von Missbrauch und Verwahrlosung bedrohten Kinder zu identifizieren.“

Terminhinweis:

2. Forum Kinderschutz

Fortbildungsveranstaltung der Akademie für ärztliche Fortbildung der Ärztekammer Westfalen-Lippe und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe

28. März 2009, Beginn: 10 Uhr

Recklinghausen, Kreishaus, Kurt-Schumacher-Allee 1, Großer Sitzungssaal

Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenfrei.