06.09.2018

Ärztekammervorstand begrüßt Debatte um Widerspruchslösung mit Vetorecht - Systemwechsel bei der Organspende dringend erforderlich - Windhorst: Gesellschaftspolitische Debatte zielt in die richtige Richtung

Der Vorstand der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) begrüßt die Initiative des Bundesgesundheitsministeriums, bei der Organspende die Widerspruchslösung mit Vetorecht einzuführen. Mit der aktuellen Debatte gewinne die Diskussion um die Organspende an notwendiger Fahrt in die richtige Richtung eines solidarischen Verhaltens der Gesellschaft, so die einhellige Meinung des ÄKWL-Vorstandes. Für Kammerpräsident Dr. Theodor Windhorst ist besonders die Tatsache positiv, dass der politische Wille von Bund und Land Nordrhein-Westfalen in der Frage der Einführung einer verpflichtenden Entscheidung wie der Widerspruchslösung in die gleiche Richtung gehe. „Spahn und Laumann haben das gleiche Ziel. Und für dieses Ziel haben auch wir uns in Westfalen-Lippe bereits seit geraumer Zeit vehement eingesetzt. Bei der Organspende ist ein Systemwechsel dringend erforderlich, um die viel zu lange Warteliste endlich abzubauen. Die Ärzteschaft sieht deshalb die neu entbrannte gesellschaftspolitische Debatte mit Erleichterung.“

Die derzeit geltende Zustimmungslösung in Deutschland hat nicht dazu geführt, das Schicksal von unheilbar Kranken und das Leid Verzweifelnder auf der Warteliste abzubauen. Deutschland aber sei nach wie vor Organ-Importland aus europäischen Ländern, in denen die Widerspruchslösung bereits gilt, klagt der Kammerpräsident. „Wir sollten die aktuelle Diskussion nun aufnehmen und uns für die Widerspruchslösung mit Vetorecht entscheiden. Unser Solidarsystem kann eine verpflichtende persönliche Entscheidung pro oder contra Organspende erwarten. Es ist Zeit für eine offene, ehrliche und transparente Debatte über die Notwendigkeit, die Motivation zur Organspende zu stärken, die eigene Position zu äußern und zu dokumentieren.“ Die Widerspruchslösung sieht in den meisten europäischen Ländern vor, dass grundsätzlich als Organspender gelten kann, wer einer Spende zuvor nicht ausdrücklich widersprochen hat, Angehörige haben dabei ein Vetorecht.

Die Widerspruchslösung mit Vetorecht ist nach Meinung des ÄKWL-Vorstandes Teil eines ganzen Maßnahmenpaketes:

- Notwendigkeit einer verpflichtenden Entscheidung beim Thema Organspende

- Finanzierung der Explantationskosten für die Entnahme-Kliniken

- Einrichtung eines Transplantationsregisters, um die jeweilige Willensentscheidung des Menschen darzustellen

- Förderung und Freistellung der Transplantationsbeauftragten, um ihren Aufgaben nachzukommen

- automatische Information für die Transplantationsbeauftragten über die Belegsituation auf den Intensivstationen

Den Bedenken des Ethik-Rates, die Widerspruchslösung sei ein zu tiefer Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht des Individuums und über dessen Körper und man könne Schweigen nicht einfach als Zustimmung zur Organspende auslegen, entgegnet Windhorst: „Wir wollen keinen Automatismus erzwingen, sondern mahnen die aktive Bürgerpflicht zur Entscheidung an.“ Bei der bestehenden Zustimmungslösung bedeute das Schweigen, dass man die Organspende eigentlich ablehne. Dies stehe im Gegensatz zu Befragungen, nach denen 80 Prozent der Bevölkerung positiv über eine Organspende denken und einer Entnahme zustimmen würden. „Die Widerspruchslösung ist die ehrlichste Art, seinen Willen zu dokumentieren. Sie ist kein Freifahrtschein zur Organentnahme, wenn der mündige Bürger es nicht will. Wer sich vorab nicht selbst entscheidet, schiebt solch eine elementare Frage auf seine Angehörigen ab und mutet ihnen zu, in einer ohnehin hoch belastenden Phase von Abschiednehmen und Trauer eine Entscheidung über eine Organspende treffen zu müssen.“

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