Gegeneinander bei der Weiterbildung verprellt den ärztlichen Nachwuchs - Windhorst: Weiterbildung ist "ureigenes Kerngeschäft der Ärztekammern"
04.03.2010

Münster, 4. März 2010 09/10_hei
„Die Geradlinigkeit und Verlässlichkeit bei der Weiterbildung ist gefährdet, wenn bestimmte Institutionen die ärztliche Weiterbildung für sich beanspruchen. Mit diesem Gegeneinander verprellen wir unseren dringend benötigten medizinischen Nachwuchs. Die Weiterbildung als Nachwuchsförderung ist das ureigene Kerngeschäft der Ärztekammern. Und das muss auch so bleiben.“ Mit diesen deutlichen Worten reagiert der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Dr. Theodor Windhorst, auf ein Positionspapier der Hamburger Krankenhausgesellschaft (HKG), in dem die HKG die ärztliche Weiterbildung als eine zentrale Funktion der Krankenhäuser definiert und somit die zukünftige Zuständigkeit für die Weiterbildung für sich reklamiert.
Der ÄKWL-Präsident sieht keinerlei Verbesserungspotenzial gegenüber der jetzigen Situation, sollten die Kliniken als Institutionen für die Weiterbildung des ärztlichen Nachwuchses verantwortlich sein. Im Gegenteil: „Es muss dabei bleiben, dass Ärzte ihren ärztlichen Nachwuchs ausbilden. Das persönliche Verhältnis zwischen Weiterbilder und Weiterzubildendem ist wichtig. Das können nicht Institutionen leisten, die dann lediglich eine industrialisierte Weiterbildung anbieten würden. Wir Ärzte haben eine Verantwortung für die Förderung des Nachwuchses, die wir nicht abgeben werden.“ Gerade in der heutigen Zeit, in der die Rahmenbedingungen für den Arztberuf durch die politischen Vorgaben äußerst schlecht seien, müsse es eine gute Nachwuchsförderung geben. „Ansonsten droht noch stärkerer Ärztemangel, ansonsten ist die Patientenversorgung noch mehr gefährdet.“
Die Qualität der ärztlichen Weiterbildung muss nach seiner Ansicht langfristig auf höchstem Niveau gesichert sein. Derzeit jedoch leide die Weiterbildung zwangsläufig an den schwierigen Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern. Der akute Ärztemangel und eine immer höhere Arbeitsverdichtung in den Kliniken müssten zwangsläufig zur Vernachlässigung der Weiterbildung führen. „Wenn Ärzte im Routinebetrieb oder in Bürokratie ersticken, wenn Arztstellen von den Klinikführungen nicht oder nur zeitweise von Leihärzten besetzt werden, dann können die Weiterbilder ihr medizinisches Wissen naturgemäß nicht im gewünschten Umfang weitergeben.“ Eine gute ärztliche Weiterbildung sei aber der Garant für eine qualitativ hochstehende medizinische Versorgung, so Windhorst. „Darum kümmern sich die Kammern auch. Sie verfügen über die Informationen zu ärztlichen Qualifikationen und damit auch zur Qualifikation der Weiterbilder.“
Er verweist in diesem Zusammenhang auf eine gerade bundesweit durchgeführte Evaluation der Weiterbildung durch die Ärztekammern, deren Ergebnisse in den nächsten Wochen veröffentlicht werden sollen. Durch die Befragung sowohl der Weiterbildungsbefugten als auch der Weiterbildungsassistenten habe man sich ein umfassendes und aussagekräftiges Bild über die aktuelle Situation der ärztlichen Weiterbildung machen können. „Die Kammern verfügen damit über einen Datenfundus, der sicherlich zur stetigen Verbesserung der Weiterbildungsqualität beitragen wird.“
In Westfalen-Lippe habe man im vergangenen Jahr durch die Einrichtung einer Koordi-nierungsstelle für Weiterbildung eine wichtige Vernetzung erreicht, um unter der Leitung der Ärztekammer Weiterbildungsstellen zu identifizieren und zertifizieren. „Die Kammer bietet in dem wichtigen Berufsstadium der Weiterbildung Unterstützung und Orientierung“, sagt Windhorst. Dies umfasse auch Hilfen bei der Etablierung und praktischen Umsetzung von Weiterbildungsverbünden oder der Schaffung von Weiterbildungs-Stellenbörsen. In Westfalen-Lippe gibt es über 4.500 Weiterbildungsbefugte mit etwa 6.400 fachgebietsbezogenen Befugnissen, die sich um die Weiterbildung von knapp 9.800 Weiterbildungsassistenten kümmern. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe habe in den vergangenen drei Jahren alle Weiterbildungsbefugnisse überprüft, um somit den hohen Qualitätsstandard bei der Weiterbildung zu halten.
Kammerpräsident Windhorst ist sich nicht sicher, was die Hamburger Krankenhausgesellschaft mit ihrem Vorstoß erreichen wollte. „Wahrscheinlich mit Billigung ihrer Bundesebene hat die HKG hier einen Versuchsballon gestartet. Der wird aber ganz schnell platzen.“
Dateien:
09_10_Weiterbildung.pdf
Zurück...
|