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Pressemitteilung / Aktuelles


"Nachhilfe im Einmaleins der Patientenversorgung" - Windhorst: Die Lebenswirklichkeit in den Kliniken heißt Ärztemangel

18.02.2010


Kategorie: 2010: Pressemitteilungen


Münster, 18.02.2010               07/10_hei

„Der GKV-Spitzenverband lebt in einer Scheinwelt und benötigt dringend eine Nachhilfestunde im Einmaleins der Patientenversorgung.“ Mit diesen Worten reagiert der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, auf die heutige Aussage des Pressesprechers des GKV-Spitzenverbandes, es gebe keinen Ärztemangel in den deutschen Krankenhäusern. Vielmehr seien unbesetzte Stellen in den Kliniken ebenso an der Tagesordnung wie unbezahlte Überstunden und Mammutdienste. „In den Krankenhäusern herrscht derzeit eine immense Arbeitsverdichtung und Arbeitsbelastung, die akut eine qualitativ hochstehende Versorgung der Patienten gefährdet. Statistische Zahlenspielereien des GKV-Spitzenverbandes können das nicht verdecken. Die Lebenswirklichkeit in den Krankenhäusern sieht anders aus als die Scheinwelt des GKV-Verbandes.“ Und der Kammerpräsident prognostiziert: „Der real existierende Ärztemangel wird mit der demographischen Entwicklung und dem medizinischen Fortschritt noch wachsen.“

Allein in Nordrhein-Westfalen fehlen derzeit schon etwa 1000 Ärzte in den Krankenhäusern, rechnet Windhorst vor. Trotz eines Arbeitszeitgesetzes, das 80- oder 100-Stunden-Dienste einzudämmen versuche, gehörten Überstunden aufgrund von unbesetzten Stellen in den Abteilungen zum Alltag der Ärzte. Dies habe eine Umfrage der Ärztekammer unter allen  Klinikärzten in Westfalen-Lippe im vergangenen Jahr ergeben. Nur 15 Prozent der Befragten bekommen demnach für Mehrarbeit Vergütung und Freizeitausgleich. 44 Prozent könnten weder das eine noch das andere erwarten. „Diese Kolleginnen und Kollegen leisten durchschnittlich elf Überstunden pro Woche. Das entspricht bei einem Assistenzarzt einem monatlichen Geschenk von 800 bis 1500 Euro an den Arbeitgeber. Es ist erschreckend, dass sich seit Inkrafttreten des Arbeitszeitgesetzes im Jahre 2004 in vielen Krankenhäusern nichts an der Überstunden- und Arbeitsbelastung geändert hat“, ärgert sich Windhorst.

Wer die Arbeitssituation in den Krankenhäusern beurteilen wolle, müsse auch beachten, dass zahlreiche Arztstellen heute in Teilzeit besetzt seien. „Meist junge Frauen wollen ihren Arztberuf auch mit ihrem Familienleben in Einklang bringen.“ Diese „Feminisierung der Medizin“ müsse in den Planungen und der Betrachtung der Arztstellen auch berücksichtigt werden.

Um dem gravierenden Ärztemangel in den Krankenhäusern entgegenzuwirken, setzt sich Windhorst für eine Verbesserung der Arbeitsplatzsituation in den Kliniken ein. „Wir müssen die Attraktivität des Arztberufes in den Häusern wieder herstellen.“ Dazu gehöre auch, die Arbeitsabläufe in den Kliniken zu verbessern. „Die Arbeitsplätze der Ärzte sollen entlastet werden von Bürokratie und Dokumentation. Die Kernkompetenz der Ärzteschaft ist und bleibt auf den Patienten fokussiert. Wenn nichts besser wird, läuft uns weiterhin der Nachwuchs weg und der Personalmangel steigert sich immer mehr – auch wenn das der GKV-Spitzenverband nicht wahr haben will.“

 

 






Dateien:
07_10_Ärztemangel_in_KH.pdf

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