Mehr Einsatz für Organspende gefordert - Grausame Wartelisten müssen der Vergangenheit angehören!
30.08.2006

Kategorie: 2006: Pressemitteilung
Münster, 30. August 2006
äk22/06/da
Organspende ist eine Gemeinschaftsaufgabe und Verpflichtung für die gesamte Gesellschaft. "Es ist eine Schande für uns alle, dass in diesem Land Menschen auf grausamen Wartelisten sterben müssen, weil wir alle dieses Thema nur zu gerne verdrängen", beklagt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst. In Nordrhein-Westfalen würden bezogen auf die Bevölkerung immer noch weniger Organe entnommen und zur Verfügung gestellt als in jedem anderen Bundesland. "Das muss sich ändern!"
"Ich bin mit Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann einer Meinung, dass sich auch unsere Krankenhäuser stärker um das Thema Organspende kümmern müssen", betont Dr. Windhorst. In vielen Kliniken müsse sicher das Bewusstsein für mögliche Spenden geschärft werden. Ganz entscheidend sei die klare Regelung von Zuständigkeiten in jedem Haus: Für alle Fragen, Abläufe und Entscheidungen im Zusammenhang mit einer Organspende sollte es einen Ansprechpartner geben.
"Wir können das Problem aber nicht allein den Kliniken und Ärzten überlassen", regt Windhorst an. "Jeder ist gefordert, sich mit dem Thema auseinander zu setzen und sich aktiv zu entscheiden." Zur Verbesserung der Situation bei Spenderorganen will der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe deshalb auch die Bevölkerung mehr in die Pflicht nehmen. "Statt der Zustimmungslösung - ich erkläre mich zu Lebzeiten bereit, nach dem Tod Organe zu spenden - sollten wir an die gesetzliche Einführung der sogenannten Widerspruchslösung denken", fordert Dr. Theodor Windhorst angesichts der deutlich zu niedrigen Zahl von Organspenden. Eine Widerspruchslösung bedeutet, dass jeder nach seinem Hirntod als Organspender angesehen werden kann, sofern er nicht zu Lebzeiten widersprochen hat. "Die Parlamente vieler Nachbarstaaten haben sich für eine solche gesetzliche Regelung entschlossen", verweist Windhorst auf positive Vorbilder. "Italiener, Spanier, Polen und Belgier - um nur einige zu nennen - nehmen so ohne Probleme ihre Verantwortung für tödlich erkrankte Mitmenschen wahr."
Nach Windhorsts Meinung könnte eine Widerspruchslösung auch in der Bundesrepublik für eine deutliche Verbesserung bei der Versorgung mit Spenderorganen führen. "Die Bevölkerung würde dies sicherlich mitmachen", glaubt der Chirurg aus Bielefeld. "Laut einer Umfrage sind zwei Drittel der Menschen in NRW bereit, nach ihrem Tod Organe zu spenden."
Informationen zum Thema Organspende gibt die Deutsche Stiftung Organtransplantation unter www.dso.de
Dateien:
aek_2206_da.pdf
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