Kammer bietet erstmals Curriculum Organspende an - Windhorst: Zahl der Organspenden muss weiter erhöht werden - Transplantationsbeauftragte nehmen Schlüsselposition ein
28.11.2007

Kategorie: 2007: Pressemitteilung
Münster, 28. November 2007 - äk47/07/hei Die Ärztekammer Westfalen-Lippe lässt nicht nach in ihren Anstrengungen, die Zahl der Organspenden deutlich zu erhöhen: Erstmals führt die Kammer ein Curriculum Organspende durch, das als bundesweites Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) angeboten wird. Ziel dieser beson-deren Fortbildung ist es, die Transplantationsbeauftragten in den Krankenhäusern, aber auch andere interessierte Ärzte sowie die leitenden Pflegekräfte im Bereich der Organspende zu qualifizieren.
"Es gibt noch erheblichen Handlungsbedarf, in Nordrhein-Westfalen die Zahl der Organspenden signifikant zu erhöhen", sagt der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Dr. Theodor Windhorst. Nach wie vor liege NRW in der Statistik der Organspende am untersten Ende. "Zwar konnte 2006 eine Steigerung um zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erreicht werden. Dennoch werden in NRW mit zwölf Organspenden pro eine Millionen Einwohner deutlich weniger Organe als im Bundesdurchschnitt gespendet", kritisiert Windhorst. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2007 wurden in Nordrhein-Westfalen genau 203 Organspenden gezählt, mehr als in den vergangenen Jahren im gleichen Zeitraum. Nach Ansicht des Kammerpräsidenten ein "kleiner erfreulicher Anstieg, aber noch lange nicht genug, um die überlange Warteliste entscheidend abzubauen". Zur Erinnerung: Auf der Warteliste für Organspenden stehen bundesweit über 12.000 Menschen, täglich müssen drei von ihnen sterben.
Das gemeinsame Curriculum Organspende von ÄKWL und DSO soll dazu beitragen, das notwendige Fachwissen zu schaffen, damit die Organspende als qualitätsgesicherte Prozedur in jedem Krankenhaus eingeführt wird. Außerdem will die Ärztekammer damit die Sensibilität für den hohen medizinischen Stellenwert der Organspende wecken. Das Curriculum umfasst einen zweitägigen theoretischen Teil von 16 Stunden sowie einen praktischen Teil mit der Teilnahme an mindestens zwei Organspenden unter Anleitung eines erfahrenen Koordinators der DSO. Zusätzlich muss ein Seminar zur "Krisenintervention" besucht werden, mit dem die Entscheidung zur Organspende und die Angehörigenbetreuung vermittelt werden soll.
"In vielen Krankenhäusern ist das Thema der Organspende noch nicht befriedigend etabliert", sagt Dr. Windhorst. In Nordrhein-Westfalen beteiligen sich von den 339 Kliniken mit Intensivstationen nur 152 aktiv an der Organspende. "Aber die Häuser nehmen eine Schlüsselstellung bei der Organspende ein." Um den Kontakt zu den Krankenhäusern zu verstärken, wurden in den letzten Monaten die Vorsitzenden der Verwaltungsbezirke der Ärztekammer Westfalen-Lippe mit entsprechenden Schulungen darauf vorbereitet, auf die Krankenhäuser zuzugehen und für das Thema der Organspende zu werben.
Eine wesentliche Möglichkeit, die Zahl der Organspenden zu erhöhen, sieht Kammerpräsident Windhorst auch in der so genannten erweiterten Widerspruchslösung. Danach sollten künftig Organe von Verstorbenen entnommen werden können, wenn diese zu Lebzeiten nicht ausdrücklich ihren Widerspruch hierzu dargelegt und auch die Angehörigen keine Einwände haben. Hierbei müsse aber stets das Selbstbestimmungsrecht des Patienten berücksichtigt werden, so Windhorst. Es dürfe nicht länger sein, dass Deutschland weiter ein "Organ-Importland" bleibe und Organe aus denjenigen Ländern einführe, die die Widerspruchslösung bereits handhaben. "Hier müssen wir ein Umdenken bei den Menschen erreichen - nicht nur nehmen, sondern auch geben."
Dateien:
47_07_Curriculum_Organspende.pdf
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