17.05.2019

12. Kinderschutz-Forum der ÄKWL: Unkontrolliertes Surfen im Internet gefährdet durch Pornografie-Konsum die Kindeswohl-Entwicklung - Windhorst: Achtung Eltern und Erzieher! Internet-Sex vermittelt bei Heranwachsenden fragwürdige Vorstellung von Sexualität

„Achtung Eltern und Erzieher! Wir müssen Kinder und Jugendliche vor Pornografie-Konsum schützen“, fordert der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL), Dr. Theodor Windhorst, anlässlich des zwölften Kinderschutz-Forums der Kammer, das sich am (morgigen) Samstag in Arnsberg mit dem Thema „Einfluss der Internetpornografie auf die kindliche sexuelle Entwicklung“ beschäftigt. Der unkontrollierte und unkommentierte Konsum von pornografischen Inhalten sei für Kinder und Jugendliche entwicklungsgefährdend und ungeeignet. Er könnte Kinder und Jugendliche verstören und fragwürdige Vorstellungen von Sexualität vermitteln, so der ÄKWL-Präsident, sodass „der normale Aufbau von Liebesbeziehungen“ nicht mehr möglich sei.

Der unkontrollierte Zugriff auf Pornografie in den digitalen Medien verändere die sexuelle Umwelt und den Aufbau von zwischenmenschlichen Beziehungen. In einer kommunikationswissenschaftlichen Studie der Universitäten Münster und Hohenheim aus dem Jahre 2017 haben knapp 50 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 20 Jahren angegeben, schon einmal mit pornografischen Inhalten in Kontakt gewesen zu sein. Pornografie im Internet ermögliche Jugendlichen einen anonymen, günstigen und leichten Zugang zu sexuellen Praktiken, die beziehungs- und lebensfern seien.

Windhorst: „Sexualität wird degradiert zu einer konsum- und gewinnorientierten Industrie.“ Wer als junger Heranwachsender Pornos schaue, erkenne in vielen Fällen eben nicht, dass dort nicht die Realität gezeigt wird, sondern ein fragwürdiges Bild von Sexualität, bei dem die Frau zum Sexualobjekt degradiert wird, das willenlos und unterwürfig ist, kritisiert Windhorst weiter. „Schwierig wird es dann, wenn Kinder und Jugendliche diese Erfahrungen aus dem Internet in ihr reales Leben und ihre eigenen Beziehungen übernehmen wollen. Daher sollte das Thema Sexualität und auch der Konsum von Pornos behutsam, einfühlsam und unterstützend von Eltern und Erziehern angesprochen werden und den Jugendlichen Hilfestellungen gegeben werden, damit sich eine gesunde Sexualität entwickeln kann.“ Das Reden über die eigene Sexualität sei unter vielen Jugendlichen noch immer ein Tabuthema, mit dem sie weitestgehend allein gelassen würden. Windhorst: „Hier sollten wir ansetzen und rechtzeitig Gesprächsangebote machen.“

Denn es bestehe durchaus die Gefahr, dass regelmäßiger unreflektierter und unaufgeklärter Konsum von Pornografie Gewalt fördere. „Ohne Aufklärung wird Porno-Konsum zu einem erheblichen Störfaktor in der Gefühlswelt der Heranwachsenden, der wiederum Aggressionen und Gewaltpotential entstehen lässt.“ Es liege nahe, dass der Internet-Pornografie-Konsum auch Einfluss auf die Bindungsfähigkeit und die Entwicklung der eigenen Sexualität bei Kindern und Jugendlichen habe. Zudem könnte Pornografie eine ähnliche Suchtwirkung haben wie Alkohol oder Kokain. Dauernder Pornokonsum könne zu Depressionen, Aggressionen, Konzentrationsstörungen und sexuellen Störungen führen. Windhorst warnt: „Die Dosis macht das Gift.“

Wichtige Schutzfaktoren, um kein unerwünschtes Verhalten durch den Konsum von Pornografie zu entwickeln, sind aus Sicht von Kammerpräsident Windhorst dieselben wie beim gesamten Kinderschutz: ein gesundes Selbstbewusstsein, einfühlsame und unterstützende Eltern und die Möglichkeit, offen über die eigenen Erfahrungen zu sprechen. Eltern könnten gerade Kindern den Zugang zu Pornografie durch technische Maßnahmen erschweren.

Terminhinweis:
12. Forum Kinderschutz: „Einfluss der Internetpornografie auf die kindliche sexuelle Entwicklung“
Samstag, 18. Mai 2019, 10.00 - 14.00 Uhr
Veranstaltungsort: Stadtwerke Arnsberg, Niedereimerfeld 22, 59823 Arnsberg
Die Teilnahme ist kostenfrei.

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