22.08.2017

Windhorst kritisiert Heilpraktiker: „Können Gefahr für die Patientenversorgung sein - Keine Leitlinien und keine wissenschaftliche Standards: Kammer will Berufseinschränkung und Regulierung

In der aktuellen Diskussion um den Beruf des Heilpraktikers, dessen Ausbildung und Qualifikation hat sich auch die Ärztekammer Westfalen-Lippe eingeschaltet und ihre bereits früher geäußerte Kritik an diesem Berufsstand erneuert. „Heilpraktiker sind nicht die Lösung für bestehende Versorgungsprobleme und schon gar nicht ein Arzt-Ersatz. Im Gegenteil: Sie können eine Gefahr für die Patientensicherheit sein“, so Kammerpräsident Dr. Theodor Windhorst. Er fordert eine grundlegende Reform des Heilpraktikerwesens, für die sich auch der diesjährige Deutsche Ärztetag in Freiburg ausgesprochen hatte. Der Gesetzgeber müsse alle invasiven Maßnahmen sowie die Behandlung von Krebserkrankungen vom zulässigen Tätigkeitsumfang von Heilpraktikern ausschließen, so das damalige Ärztetags-Votum. Bei Krankheiten, die vermutlich über eine Befindlichkeitsstörung hinausgehen, müsse der Heilpraktiker den Kranken zum Arzt schicken. Auch der „Münsteraner Kreis“, eine Gruppe von Ärzten und Wissenschaftlern, hat aktuell die Reform des Heilpraktikerberufes gefordert und die Welt des Heilpraktikers als „überwiegend unwissenschaftliche Gedankenwelt der Komplementären und alternativen Medizin“ bezeichnet. 

 

In Deutschland sind etwa 47.000 Heilpraktiker tätig. Windhorst weist darauf hin, dass diese „nicht kleine Berufsgruppe lediglich Heilpraktiken anwendet“, aber keine ärztliche Heilkunde. Da müsse man auch im Sprachgebrauch sauber trennen. „Heilpraktiker können keine Diagnosen stellen oder Therapien verordnen. Sie arbeiten lediglich mit Vermutungen.“ Sie dürften auch nicht „anbehandeln“ oder etwa Injektionen setzen. Tätigkeiten im Sinne des Infektionsschutzgesetzes, beim Schwangerenschutz oder bei einer Todesfeststellung seien ihnen ebenfalls nicht möglich.

 

„Heilpraktiker können ohne umfassende Ausbildung mit dem Patienten machen, was sie wollen“, kritisiert Windhorst. Es sei „das zentrale Merkmal des Heilpraktikerunwesens, außerhalb geltender medizinischer Standards, Leitlinien und allgemein anerkannter Wirksamkeitsmechanismen tätig werden zu dürfen.“ Wer Heilpraktiker als Ersatz für ärztliche Versorgung von körperlichen oder seelischen Erkrankungen verstehe, gehe ein hohes medizinisches Risiko mit Gefährdungspotential ein, so der Kammerpräsident. „Um kranke Menschen vor Scharlatanerie zu schützen, muss der Gesetzgeber handeln“, fordert Windhorst. „Das Ziel muss nicht ein Berufsverbot sein, aber wohl  Berufseinschränkungen und -regulierung.“

 

Im Gegensatz zum Heilpraktiker stehe die fundierte medizinische Qualifikation, beginnend mit dem Medizinstudium, der anschließenden Weiterbildung zum Facharzt sowie der späteren regelmäßigen Fortbildung, zu der die Ärzte verpflichtet seien. Hinzu komme laut Windhorst die Qualitätssicherung durch verschiedene Institutionen und die Ärzteschaft selbst. Damit werde gewährleistet, dass die Patienten stets mit dem aktuellen medizinischen Wissen behandelt und die hohen Standards in der Medizin gewahrt würden.

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