09.03.2017

Ärztekammer setzt auf Wirksamkeit des "Klebeeffekts" für OWL - Nachwuchsförderung in der Region hilft Patientenversorgung sichern

Wiederholt hat die Ärztekammer Westfalen-Lippe auf drohende Engpässe in der Patientenversorgung durch Mangel an Ärztinnen und Ärzten hingewiesen. „Vor diesem Hintergrund ist nicht zu verstehen, dass in der Diskussion um eine Medizinische Fakultät in Bielefeld immer noch der ,Klebeeffekt‘ einer solchen Institution angezweifelt wird“, kritisiert Dr. Theodor Windhorst. „Ärztemangel wird bereits an vielen Stellen sichtbar. Eine Arztausbildung ,aus der Region für die Region‘ wird dagegen helfen“, ist der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe überzeugt. 

Der „Klebeeffekt“ setzt darauf, dass Ärztinnen und Ärzte bei ihrer späteren Arbeit oft im Umkreis ihres Studienortes bleiben. Für eine solche Wirksamkeit der Medizinerausbildung in der Region sprächen nicht nur Studien, sondern auch ein Blick in die Arztstatistik, erläutert der Kammerpräsident. So könne der Personalbedarf in Krankenhäusern vielerorts nur noch dank Ärzten aus dem Ausland gedeckt werden. Etwa die Hälfte der ärztlichen Berufsstarter in Westfalen-Lippe hat ihre medizinische Ausbildung im Ausland absolviert. „Rund um die Medizinischen Fakultäten in Münster, Bochum und Witten/Herdecke liegt der Anteil ausländischer Ärzte jedoch sehr viel niedriger.“ Während im ostwestfälischen Kreis Höxter 90 Prozent der Berufsstarter im Krankenhaus in den vergangenen drei Jahren ausländischer Herkunft gewesen seien, seien es in Münster 13 und in Bochum 19 Prozent gewesen.

Mit der jetzt verwirklichten „Dependance-Lösung“, bei der die Ruhr-Universität Bochum mit Kliniken in Herford und Minden kooperiert, gebe es bereits einen positiven Anreiz für die Studierenden, in der Region Fuß zu fassen. Eine Medizinische Fakultät in Bielefeld würde sich künftig bestens mit der international anerkannten Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität zu einem attraktiven Ausbildungs-Standort für Ostwestfalen-Lippe ergänzen. Generell führe an einer weiteren Erhöhung der Studienplatz-Kapazitäten kein Weg vorbei, so Dr. Windhorst weiter. Der Anteil der Frauen in der Medizin wachse, die Umsetzung des Arbeitszeitgesetzes im Sinne des Patientenschutzes und veränderte Lebens- und Arbeitsmodelle hätten mehr Teilzeit-Tätigkeit zur Folge. Der Bedarf an Versorgung steige. „Wer dies sieht, darf nicht verhindern, dass die ärztliche Arbeit auf mehr Schultern verteilt werden kann.“ Bereits jetzt seien in Bielefeld rund 40 Arztsitze in der hausärztlichen Versorgung unbesetzt. „Angesichts solcher Realitäten müsste jedem klar sein, dass alles unternommen werden muss, um mehr Ärztinnen und Ärzte für die Versorgung in der Region zu gewinnen.“

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