31.01.2017

Facharztweiterbildung in der Kernkompetenz der Ärztekammer - Trendwende geschafft, Ziel noch nicht erreicht: Mehr Fachärzte für sichere und wohnortnahe Patientenversorgung

Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte, die in Westfalen-Lippe erfolgreich ihre Facharztprüfung als Allgemeinmediziner, Allgemeininternist und Allgemeinchirurg abgelegt haben, ist 2016 erneut gestiegen. „Der Trend zeigt eindeutig aufwärts“, kommentiert Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) die aktuelle Arztstatistik. Die „Generalisten“ unter den Fachärzten leisteten nicht nur einen wichtigen Beitrag, die wohnortnahe und bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung auch abseits der Ballungsräume in Kliniken und Praxen weiterhin zu gewährleisten, sondern fungierten auch oft als „Lotsen“ durch das Gesundheitswesen. „Die gemeinsamen Anstrengungen von Ärztekammer, Politik und den Akteuren in der Aus- und Weiterbildung, Anreize zu schaffen und junge Kolleginnen und Kollegen für diesen Bereich der ärztlichen Arbeit zu motivieren, zeigen Erfolg.“

„Eine gute Weiterbildung ist Voraussetzung für eine qualitativ hochstehende Patientenversorgung“, begründet Dr. Windhorst das große Engagement der ÄKWL bei der Gestaltung und Durchführung der ärztlichen Weiterbildung. 2016 wurden rund 2000 Prüfungen in über 50 Facharzt-Spezialisierungen abgenommen. Indem sie „Qualität durch Qualifikation“ ohne Zwangsmaßnahmen und Eingriffe in die freie Entscheidung des Berufsnachwuchses fördere, stelle die Ärztekammer ihre Kernkompetenz unter Beweis und leiste einen aktiven Beitrag zur Patientensicherheit. „Wir sind auf dem richtigen Weg, dürfen uns aber keinesfalls schon zurücklehnen“, mahnt der Kammerpräsident weitere Initiativen an, die auf alle Facharztrichtungen ausgedehnt werden müssten.

73 Medizinerinnen und 41 Mediziner haben im vergangenen Jahr in Westfalen-Lippe als künftige Hausärzte die Facharztkompetenz „Allgemeinmedizin“ erworben. Das sind rund 40 Prozent mehr als im Jahr 2011, als die Kammer ein historisches Tief von nur 81 Weiterbildungs-Absolventen verzeichnete. Auch den 169 Ärztinnen und Ärzten, die ihre Weiterbildung als Allgemeininternisten abschlossen – 33 Prozent mehr als im Jahr 2014 – steht der Beruf des Hausarztes offen.

Entwarnung in Sachen Ärztemangel kann der Kammerpräsident trotz des erfreulichen Trends jedoch noch nicht geben. „Die Zahl neuer Fachärztinnen und -ärzte reicht noch nicht aus, um etwa den künftigen Bedarf in der hausärztlichen Versorgung zu decken.“ Rund 200 Hausärzte, so hat die Kammer ausgerechnet, müssten sich alljährlich niederlassen, um in Westfalen-Lippe das Versorgungsniveau beim Ausscheiden ihrer Vorgänger aus dem aktiven Berufsleben zu halten. „Hier und auch in weiteren Facharzt-Disziplinen bedarf es weiterhin beharrlicher Anstrengungen, Arztnachwuchs für die Patientenversorgung zu gewinnen.“

So etwa in der Chirurgie: Zwar erwarben 32 Ärztinnen und Ärzte den Facharzttitel „Allgemeinchirurgie“, so viele wie noch nie seit Einführung dieser Qualifikation im Jahr 2005 und ein Plus von 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil der Ärztinnen lag dabei in diesem Fach mit 41 Prozent ebenfalls so hoch wie nie zuvor. Besorgniserregend seien hingegen die Zahlen bei einigen chirurgischen Spezialisierungen, warnt Dr. Windhorst. „Nur drei Ärzte haben beispielsweise im vergangenen Jahr in der Viszeralchirurgie die höchste Qualifikation nach der Weiterbildungsordnung, die ,Spezielle Viszeralchirurgie‘, erworben.“ Auch die Zusatzweiterbildung „Spezielle Unfallchirurgie“ als höchste Qualifikation in diesem Bereich sei mit 25 Absolventinnen und Absolventen nur wenig gefragt gewesen.

Unter www.aekwl.de/uploads/media/FA-Anerkennungen_Grafische_Darstellung_2016_01.pdf bietet die Ärztekammer Westfalen-Lippe einen aktuellen Überblick zur Zahl der erfolgreichen Facharztprüfungen von 2006 bis 2016.

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