09.12.2016

Weiterhin zu wenige Organspenden – Entscheidungslösung bringt keine Entlastung auf der Warteliste und muss deshalb weiterentwickelt werden

Münster, 09.12.2016 - Die Entscheidungslösung, die auf Information der Krankenversicherten setzt, hat bislang keine Steigerung der aktuell viel zu niedrigen Organspendezahlen gebracht. Dies kritisieren der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, und Dieter Kemmerling von der Münsteraner Initiative „no panic for organic - Sag JA zur Organspende!“ in einer gemeinsamen Stellungnahme. Die Konsequenz liegt für beide auf der Hand: Die derzeitig gültige Regelung der Entscheidungslösung muss erneut auf den Prüfstand und weiterentwickelt werden, um für eine deutliche Entlastung auf der Warteliste für Organspenden zu sorgen.

Laut Kammerpräsident Windhorst reicht bei vielen Menschen das Vertrauen nach wie vor nicht aus, aktiv eine Entscheidung zu Gunsten der Organspende zu treffen, dies mit einem Spenderausweis zu dokumentieren und als potenzieller Spender zur Verfügung zu stehen. Die Ereignisse des Transplantationsskandals seit 2012 hätten alle Bemühungen um die Organspende um Jahre zurückgeworfen, die Auswirkungen seien noch immer spürbar. „Wir müssen noch mehr über Organspende reden und die Menschen überzeugen, wir müssen immer weiter aufklären. Und wir müssen von anderen Ländern lernen, in denen die Widerspruchslösung gilt. Die Politik muss bereit sein, auch andere Wege zu gehen.“ Zwar seien Gesetzliche und Private Krankenversicherer zur Aufklärung über Organspende verpflichtet. Deren Engagement reiche aber noch nicht aus, so Dr. Windhorst. Besser sei, Information im persönlichen Gespräch zu vermitteln. Gerade bei jungen Menschen solle zudem die Schule als Weg der Information genutzt werden.

Das sieht auch Dieter Kemmerling so. „Die Spenderzahlen sind auf einem historisch niedrigen Niveau, so dass man ernsthaft darüber nachdenken muss, das jetzt gültige Gesetz weiter zu entwickeln oder über neue gesetzliche Voraussetzungen nachzudenken, denn in der deutschen Entscheidungslösung steckt sicher nicht viel Potential zur Verbesserung der Spenderzahlen.“ Zudem müsse jedem Menschen klar sein, im Leben plötzlich „auf der anderen Seite zu stehen“ und selbst auf ein Spenderorgan angewiesen zu sein.

Nicht nur die etwa 10.000 Patientinnen und Patienten auf der Warteliste erfahren unermessliches Leid, sagt Windhorst. Auch auf die Transplantationsmedizin habe der große Mangel an Organspendern negative Auswirkungen. „Die Ergebnisse der Transplantationsmedizin drohen schlechter zu werden: Bei Patienten, deren Zustand sich während der Wartezeit zu sehr verschlechtert, verringern sich die Chancen auf nachhaltigen Erfolg der Transplantation. Die Komplikationen nehmen zu, je größer der Mangel wird.“ Die Folgen für das „Organ-Importland Deutschland“ lägen auf der Hand: „Ohne Spenderorgane keine Transplantationsmedizin.“ Schätzungen zufolge kämen rund 4000 Menschen jährlich in Deutschland als Organspender in Frage – „könnte nur ein Teil dieser Spenden realisiert werden, wäre das Wartelisten-Problem bald aus der Welt“, so Windhorst.

Vor dem Hintergrund der aktuell gültigen Entscheidungslösung im Land sind sich Windhorst und Kemmerling einig: „Sich Zeit nehmen für ein Gespräch über Organspende und dann eine Entscheidung treffen: Das wäre für viele Wartende schon ein guter Anfang auf dem Weg zur Erfüllung ihrer Wünsche. Niemand sollte sich diesem Anliegen verweigern.“ Aber führe das zu keinem nachhaltigen Erfolg bei der Steigerung der Organspenden, „dann scheint es schon angebracht, noch mal über das in vielen anderen Ländern erfolgreich praktizierte Verfahren, die Widerspruchslösung, zu diskutieren“.

Arztstatistik

Trendwende geschafft, Ziel noch nicht erreicht: Die Zahl der Ärztinnen und Ärzte, die in Westfalen-Lippe erfolgreich ihre Facharztprüfung als Allgemeinmediziner, Allgemein-
internist und Allgemeinchirurg abgelegt haben, ist 2016 erneut gestiegen. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe bietet einen aktuellen Überblick zur Zahl der erfolgreichen Facharztprüfungen von 2006 bis 2016.  [mehr...]

Neues Punktekonto

Seit April 2016 sind die Fortbildungs-punktekonten der Kammermitglieder ausschließlich über das eÄKWL-Por-tal zugänglich. Ab sofort steht Ihnen eine neue Version mit weiteren Ser-vicefunktionen im Portal zur Verfü-gung.  [mehr...]

Versorgung von Flüchtlingen

Die Ärztekammer Westfalen-Lippe bietet hier Ärztinnen und Ärzten gebündelte Informationen und Materialien zu diesem Thema.  [mehr...]